Kategorie: Höchst persönlich (Seite 3 von 3)

Vorsicht, Schulwechsel!

Überall in Deutschland steht sie dieser Tage an: die Entscheidung, welche Schule für mein Kind nach der Grundschule die richtige ist. Bei uns auch. Zum zweiten Mal.

# Vor vier Jahren war alles einfacher

Ich habe das Gefühl, dass vor vier Jahren alles leichter war. Oder der Weg für Kind I war aufgrund der Schulnoten klarer vorgezeichnet. Kann auch sein. Vor vier Jahren fiel in Schleswig-Holstein die Schulempfehlung der Grundschule zum ersten Mal weg, das Beratungsgespräch war ein absurdes Herumgeeiere, in dem die Lehrerin herausfinden wollte, was wir denn so vorhatten, um darauf etwas Schwammiges zu sagen. Ich verriet aber nichts, sodass man sich schließlich genötigt sah, irgendwas zu sagen: »Wir sind sicher, egal welche Schule das Kind wählen wird, es wird seinen Weg schon machen.« Aha. Das war also die verschlüsselte Gymnasialempfehlung.
Was das Land Schleswig-Holstein zur Schulwahl in einer Broschüre schreibt, findet ihr hier

# Wie kommt es überhaupt zu Schulnoten?

Schulnoten werden immer auch im Klassenkontext gegeben, wie eine deutschlandweite Studie aus dem Jahr 1999 zeigen konnte. Dabei wurden eine Deutsch- und eine Mathearbeit von 1000 Lehrern beurteilt. Die Noten: Von Eins bis Fünf war alles dabei…

In einer leistungsstarken Klasse ist es also vermutlich schwerer, eine gute Zensur zu bekommen. Meine Tochter war damals eines von nur sechs Mädchen und außerdem das einzige Mädchen ohne Migrationshintergrund. Im Halbjahreszeugnis der vierten Klasse war ihre schlechteste Note eine Drei. Also nur eine Drei. Eine einzige.
Dabei kann ich vier Jahre später für meinen Sohn, der eine andere Grundschule besucht, mit Sicherheit sagen: Er kann viel mehr als seine große Schwester zu gleicher Zeit. Aber seine Noten sind lange nicht so herausragend. Sie hatte beispielsweise in Englisch sehr gute Klassenarbeiten geschrieben und auch eine Eins im Zeugnis. Er hat ebenfalls sehr gute Klassenarbeiten geschrieben und bekam eine Drei ins Zeugnis geklatscht. Tja. Andere Lehrer, andere Schule, andere Note.
Wobei wir bei der Generalfrage nach Sinn und Unsinn der Notengebung angelangt wären. Das soll hier aber nicht Thema sein. Ein interessanter Artikel dazu findet sich hier.

# Weichenstellung – von der Schule bis zur Rente

In diesem Jahr gibt es bei uns erstmals wieder eine Schulempfehlung von der Grundschule. Kind II hat eine Empfehlung für eine Gemeinschaftsschule bekommen. Das hatte ich auch so erwartet, glücklich hat es mich nicht gemacht. Aber es geht hier ja auch nicht um mich, sondern darum, dass wir als Eltern jetzt die Verantwortung haben, die richtige Entscheidung für das Kind zu treffen. Es kommt mir vor, als stünden wir jetzt davor, die Weichen bis… ja, bis zur Rente zu stellen. Das ist natürlich Unsinn, fühlt sich aber so an.

Diese Verantwortung lastet derart schwer auf unseren Schultern, dass manche Eltern sogar schon von Schulen träumen und schweißgebadet aufwachen. Kann natürlich auch daran liegen, dass das zurzeit das allgegenwärtige Thema ist.

# Odyssee durch die Schulen am Ort

Innerhalb der vergangenen zwei Wochen habe ich an Veranstaltungen in den drei weiterführenden Schulen im Ort (ein Gymnasium, zwei Gemeinschaftsschulen – eine mit gutem und eine mit schlechtem Ruf) teilgenommen. Drei Eltern-Infoabende, drei Schnuppertage für die Kinder wurden angeboten. Einer der Schulleiter sagte, man solle »ergebnisoffen« Beratungsangebote wahrnehmen.

In der einen Schule wurden wir direkt freundlich von der Unterstufenleiterin persönlich in Empfang genommen und in eine Führung durch eine freundliche Lehrerin gesteckt. In der anderen Schule standen wir etwas verloren herum, die ab und zu vorbeistreunenden Lehrkräfte mochten uns nicht einmal grüßen. Schließlich fanden wir selbst heraus, dass hier ein Grüppchen aus Oberstufenschülern Führungen leiten würde. In der dritten Schule gab es weder eine Begrüßung noch war ersichtlich, wann und wo es Touren durch die Einrichtung geben würde.
Der Infoabend dieser Schule war ähnlich konfus strukturiert, es wurde viel zu viel über das Schulsystem an sich und viel zu wenig über diese spezielle Schule referiert. Wie genau das Ganztagsangebot zum Beispiel aussieht, blieb im Dunkeln, während Schule zwei dazu sogar eine Hochglanzbroschüre verteilte. Dort war auch der beste Schulhof, das fanden unsere Viertklässler immens wichtig. Warum in Schule drei die Hangelstangen im Bereich der Mittel- und Oberstufe und nicht im ganz woanders liegenden Komplex der Unterstufe aufgebaut worden sind, konnte sich niemand erklären. Dafür war dort der Kuchen umsonst.

Was bieten die Schulen?

In Schule eins waren in der Biologie die besten Exponate ausgestellt und im Chemiebereich konnte man aus Kupfer Gold machen; dagegen punktete Schule zwei bei den Viertklässlern mit selbst herzustellenden Fossilien und Probeunterricht. Schule drei protzte mit einer riesigen LED-Videowand, die im Unterricht genutzt werden kann. In Schule eins durften die Kinder in den Musikräumen Instrumente in die Hand nehmen, während der Gitarrenkursus-Leiter an Schule zwei lieber selbst demonstrierte, wie gut er sein Instrument beherrscht. Dafür ist das Gebäude mit zwanzig Jahren auf dem kreisrunden Buckel aber das neueste. Da kann Schule drei überhaupt nicht mithalten; der Schulleiter warb beim Infoabend aber dafür, dass die neuen Schüler nach zwei Jahren Baulärm direkt auf dem Schulhof einen Neubau besiedeln dürfen.

Was will das Kind?

Im Anschluss an den Info-Marathon bat ich Kind II, einmal die Augen zu schließen und sich alle Schulen noch einmal vorzustellen und nachzuspüren, an welcher es sich am wohlsten gefühlt hatte. Was sonst sollten Zehnjährige wohl beurteilen? Sie können doch überhaupt nicht wissen, was wo auf sie zukommt, was daran liegt, dass die Evolution hellseherische Fähigkeiten als nicht notwendigerweise überlebenssinnvoll eingestuft und wenig gefördert hat.

# Das Beratungsgespräch

Was haben wir außer einer großen Erschöpfung nun aus dieser Schulhof-Odyssee für uns herausgefunden? Es gibt ein Bauchgefühl-Ranking. Das deckt sich nun aber eben leider nicht mit der Empfehlung. Wenn die Eltern sich gegen die Empfehlung für das Gymnasium entscheiden, ist ein Beratungsgespräch verpflichtend. Es ist ein bisschen so wie bei Abtreibungen: Beratung ist Pflicht, verhindert aber die Entscheidung nicht. So können Eltern dann auch nach negativem Beratungsgespräch das Kind an der Oberschule anmelden, wenn sie dann noch wollen.

Also haben wir ergebnisoffen ein Beratungsgespräch mit der Unterstufenleiterin des örtlichen Gymnasiums geführt. Die hat sich das Zeugnis angesehen, sich angehört, wie ich denn die Lage so sehe, und sie hat auch Kind II befragt, wo es denn zur Schule gehen möchte. Und dann hat sie lächelnd gesagt: »Ich kann Ihnen keinesfalls davon abraten, Ihren Sohn hier anzumelden.« Und an Kind II gewandt: »Ich würde mich freuen, dich an dieser Schule zu sehen.«

# Fazit

Das alles hier schreibt übrigens eine, die selbst keine Gymnasialempfehlung hatte, trotzdem hinging und ohne Schwierigkeiten und Ehrenrunde das Abitur bestanden hat. Ich denke, wir werden noch ein paar Mal schlafen und dann die richtige Entscheidung treffen. Mit Bauchgefühl.

Claudia Stieglmayr

Mecker-Mama ist immer zu Hause

(Lesezeit: ca. 5 Minuten)

# Mama ist immer zu Hause

Wenn man meine Kinder fragt, was Mama denn so arbeitet, werden sie vermutlich sagen: »Mama arbeitet nicht. Die ist immer zu Hause.« Das müssen sie auch denken. Ich bin zu Hause, um sie zu wecken, damit sie rechtzeitig in die Schule zu kommen. Ich bin zu Hause, wenn sie aus der Schule kommen und zu Mittag essen möchten. Ich bin zu Hause, wenn für Klassenarbeiten geübt, schwierige Hausaufgaben erledigt oder Vokabeln abgefragt werden müssen. Ich bin nachmittags zu Hause, um Fahrdienste zu Sport oder Freunden zu leisten (und zur Logo, zur Ergo, zur Nachhilfe). Dass ich morgens um vier Uhr aufstehe, zur Kaffeemaschine wanke und arbeite, damit ich Zeit für sie habe, ist ihnen nicht klar.

# Meckern, immer nur meckern!

Aus Sicht meiner Kinder bin ich übrigens hauptsächlich aus rein sadistischen Gründen zu Hause, nämlich, um mit ihnen zu meckern. Weil die Milch nicht in den Kühlschrank zurückgestellt wurde, weil die Ranzen mitten Flur stehen oder Inhalte von Brotdosen über die Sommerferien hinweg im Ranzen vor sich hin gegammelt haben (die spannendste Transformation hatte eine Mandarine vollzogen, die ich eines Frühsommers zufällig in den Tiefen des töchterlichen Ranzens aufgespürt hatte; zum Glück geschah diese Metamorphose in einem Klarsichtbeutel…).

Ja, Mütter meckern für ihr Leben gern und oft und oft auch laut. Das ist ihre absolute Lieblingsbeschäftigung. Um des Meckerns willen sind sie überhaupt nur Mutter geworden. Das glauben jedenfalls meine Kinder. Aber tatsächlich meckere ich ganz und gar nicht gern. Ganz ehrlich: Wenn ich gewusst hätte, wie viel ich meckern muss, dann wäre ich Vater geworden, den ganzen Tag außer Haus und würde abends die lieben Kleinen ins Bett bringen. Oder überhaupt grundsätzlich erst dann kommen, wenn sie schon schlafen. Sie sind so süß, wenn sie schlafen.

# Homeoffice, wie toll?

Wann bin ich sonst noch zu Hause? Ach ja, wie gesagt, ich arbeite dort. Für Geld. Nicht, was Sie jetzt denken. Ich habe noch einen bezahlten Job. 30 Stunden. Den mache ich auch irgendwann. Ja, klar, wenn die Kinder in der Schule sind. Stimmt. Das reicht aber nicht aus, um 30 Stunden zu füllen (außerdem möchte mein Rücken mindestens dreimal die Woche zum Krafttraining, und die Hunde wollen ihre täglichen Runden).

So stehe ich also praktisch jeden Morgen um vier Uhr auf, damit ich in Ruhe arbeiten kann, bis es Zeit für den Weck- und Brotdosen-Dienst ist. Und abends nach Zapfenstreich bin ich noch die eine oder andere Stunde fleißig, wenn ich nicht zu müde dafür bin. Manchmal muss ich auch am Wochenende noch eine kleine Schicht einschieben, wenn ich nicht alles geschafft habe. Zum Glück kann ich mir meine Zeit völlig frei einteilen, ich habe Abgabetermine zu halten, der Rest ist wurscht.

# Immer auf dem Sprung

Wenn morgens alle aus dem Haus sind, bin ich also bereits vier Stunden auf den Füßen, habe locker 2500 Schritte auf der Uhr; Klos und Waschbecken sind dann geputzt, Betten gemacht, der Geschirrspüler ist ausgeräumt, die Küche aufgeräumt, gesaugt und gewischt. Die Waschmaschine läuft. Dann stürze ich mit den Hunden in den Wald, sause zurück, schwinge mich aufs Rad oder ins Auto – zum Rückensport, Einkaufen oder zu sonstigen Terminen. Ständiger Zeitdruck lastet auf meinen Schultern, denn um halb zwei muss das Essen auf dem Tisch stehen.

# Ich wäre dann gern mal weg…

Manchmal finde ich es schrecklich schade, dass ich nicht mehr außerhalb arbeite. Zum Beispiel, wenn meine nebenan wohnende Mutter reinschneit und irgendetwas von mir will. Oder es ganz selbstverständlich findet, dass ich sie vormittags zum Arzt oder zum Friseur bringe, während sie sich doch locker ein Taxi leisten könnte – und massenhaft Zeit hat, die mir chronisch fehlt. Außerdem wird auch gern der Mittagstisch in der Casa filia angenommen. Dass ich manchmal vor lauter Zeitmangel, aber durch meinen Anspruch, frisch und gesund zu kochen, ganz schön unter Druck stehe, fällt meiner Mutter nicht auf. Schließlich hat sie das früher auch alles für uns gemacht. Dass sie aber nur ein Kind und keinen Job hatte, hat sie wohl vergessen. Wie sehr würde ich mich freuen, wenn sie, die sonst absolut nichts zu tun hat, wenigstens ab und zu mal Kartoffeln schälen könnte. Oder den Tisch decken.

Ach ja, das sind schon Momente, in denen ich gern mit meinen Kolleginnen zusammen die Mittagspause genießen würde.
Oder wenn diese Horroranrufe aus Schule und Kindergarten kommen. Sie beginnen immer mit folgenden Worten: »Bekommen Sie jetzt keinen Schreck!« Sehr lustig. Papa im Großstadtbüro bekommt nie solche Anrufe. Immer nur im Nachhinein von mir die Info, wenn die Wunden bereits genäht, die Tränen getrocknet und persönliche Schockzustände verwunden sind.

# Zu Hause ist es am allerschönsten, wenn…

Aber wenn mein Kleiner nach der Schule vor der Tür steht und ich ihm sofort ansehe, dass etwas nicht stimmt, er sich in meine Arme wirft und losschluchzt, weil er im Schulbus oder auf dem Pausenhof geärgert worden ist, dann bin ich froh, dass ich zu Hause bin.

Oder die Große schwer übellaunig nach Hause geradelt kommt, und erst einmal loswerden muss, wie blöd und unverschämt Fußgänger sind. Manchmal hat sie auch gute Laune und berichtet, was Max wieder Ulkiges im Unterricht angestellt hat oder wie sie den Mathelehrer ausgesperrt haben.

Solche Momente sind unbezahlbar und bleiben als wohligwarmes Gefühl im Herzen. Oder wenn meine französische Freundin mit Sohn und Kerl mittags mit uns am Tisch sitzt und südländisches Temperament durchs Haus weht und geplappert, geschnattert und gelacht, manchmal auch musiziert wird. Dann finde ich es einfach wunderbar, dass ich zu Hause bin.

Claudia Stieglmayr

Bitte recht freundlich!

Peanut am Wegesrand

Unser Hundegang heute war überraschend erfreulich. Sonntags sind recht häufig hundelose Menschen im Wald unterwegs, wir nennen sie scherzhaft „Illegale“. Illegale sind ganz oft sehr schlecht auf Hunde und deren Halter zu sprechen, grundsätzlich übellaunig und reagieren entsprechend offensiv-aggressiv. Das ist schade, aber nicht zu ändern. Ich bin freundlich zu allen. Das ist gut so und bleibt auch so.

Wann immer Peanut, Musha (meine Europäischen Schlittenhunde) und ich solchen Illegalen im Wald begegnen, stellen wir uns an den Wegesrand, und die Hunde setzen sich auf Handzeichen neben mich, damit die Passanten unbelästigt und angstfrei passieren können. Damit wollen wir – also ich – ein Zeichen setzen, ein bisschen gegen den schlechten Ruf der Hundehalter arbeiten und für gegenseitige Rücksichtnahme werben. Und auf Fragen auch gern erklären, »Warum Hunde Radfahrer und Jogger jagen«.

Bestenfalls verlaufen solche Begegnungen also schweigend, außer mir grüßt keiner freundlich mit »Moin«, mir wabern mürrische Blicke aus missbilligenden Gesichtern entgegen. Aber heute war es anders!

»Die sind aber gut erzogen!«, sagte der Vater der vierköpfigen Familie mit zwei kleineren Kindern und lächelte mir zu. Wenig später kam mir ein hundeloses älteres Paar entgegen, bedankte sich für unser An-die-Seite-Stellen und krönte diese Begegnung mit: »Die sind aber brav!« Einen Kilometer weiter trafen wir eine weitere wandernde Familie. »Wir sind ganz entspannt mit Hunden«, sagte der Vater, »aber trotzdem danke.« Wenig später wurden wir von einem Jogger überholt, weitere Sonntagspaziergänger folgten. Sie alle bedankten sich und grüßten freundlich, und manche wechselten noch ein paar Worte mit mir. Ich war ganz beseelt.

Zum krönenden Abschluss der Hunderunde, ganz kurz vor unserem Zuhause, wich ich in eine Einfahrt aus, damit ein älteres Ehepaar passieren konnte. »Keine Angst, wir beißen nicht!«, rief der Mann und lachte mich freundlich an. »Wir auch nicht!«, gab ich zurück. »Meistens.«

Moin!

»Du brauchst einen Blog!«, hat meine Freundin mit Nachdruck gesagt. Das ist Monate her. Warum sie sich da so sicher war, hat sie nicht erwähnt. So ist sie. Sie sät die Saat, keimen muss sie von allein. Nun ist es so weit, jetzt blogge ich, und das hier ist mein allererster Beitrag, verbunden mit großem Dank an indigo-blau.de, an Andrea, die mich inspiriert hat und selbst die allerbeste Reiseblog-Seite betreut, die ich mir vorstellen kann. Klickt mal rein!



Herzlich willkommen!

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