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Mama ist tot, und ich bin ihr böse.

von Claudia Stieglmayr

#Oma ist jetzt in einem langen Traum

Mama und Enkelin 2005 bei meiner Hochzeit mit MacGyver.

»Oma ist jetzt in einem langen Traum.« Das beschloss mein zehnjähriger Philosoph, als wir ihm mitteilten, dass seine Oma in der Nacht verstorben war. Das ist eine tröstliche Vorstellung, aber dennoch überwiegt die Wut in mir, weil ihr Tod absolut nicht nötig gewesen wäre. Noch nicht. Noch lange nicht! Sie war zwar 83 Jahre alt, hatte aber »bloß« kaputte Rückenwirbel. Noch ein Vierteljahr zuvor hatte ein Check-up ergeben, dass fast alle Blutwerte perfekt waren, nur die Nierenwerte nicht so ganz. Meine Mutter ist letztlich tatsächlich einfach nur an ihrem Trotz gestorben.

Ich bin wahnsinnig traurig, sehr böse und ein bisschen verzweifelt. »Wenn wir dir auch Ruhe gönnen, so ist doch voll Trauer unser Herz. Dich leiden zu sehen und nicht helfen zu können, das war unser größter Schmerz.« Das steht in der Traueranzeige und fasst exakt die letzten Wochen vor ihrem Tod zusammen. Sie wollte sich nicht helfen lassen, sie wollte keine Medikamente nehmen, sie wollte aber auch nicht sterben. Was sie wollte, war ein Wunder. Sie wollte, dass ihr Rücken ganz von allein nicht mehr schmerzte. Und so wartete sie ab. In ihrem Sessel im Wohnzimmer. Tag und Nacht. Aber es wurde nicht von allein besser, natürlich nicht.

#Warten auf ein Wunder

Während sie wochenlang wartete, vergaß sie immer mehr wichtige Dinge. Sie vergaß ihre Augentropfen, die sie vor Erblindung bewahren sollten. Sie vergaß, ihren Hund zu füttern. Und sie vergaß, ausreichend zu trinken.

Bis etwa drei Wochen vor ihrem Tod schaffte sie es noch, durch den Garten zu gehen, um abends mit uns gemeinsam zu essen. Zuerst ging sie noch allein hin und zurück. Dann begleitete ich sie nach dem Essen nach Hause, weil es dunkel war und sie schlecht sehen konnte. Zum Schluss holte ich sie ab und begleitete sie heim. Als ich sah, dass sie zu schwach war, brachte ich ihr schließlich das Essen, von dem sie immer weniger zu sich nahm.

#»Ich habe immer wenig getrunken.«

Niemand schaffte es, sie zum ausreichenden Trinken zu ermuntern. Nicht ich, nicht MacGyver, nicht ihre Enkel, nicht der vier Wochen vor ihrem Tod von mir für die Medikamentengabe engagierte Pflegedienst. »Ich habe immer wenig getrunken«, sagte sie dann oft trotzig.

Als die Schwestern vom Pflegedienst meine Mutter schließlich nach zwei Wochen dazu bewegen konnten, sich beim Unkleiden helfen zu lassen, wurde das Ausmaß der Katastrophe – der Zustand ihrer Haut – sichtbar: Meine Mutter war bereits so dehydriert, dass eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr durch Trinken nicht mehr möglich war.

Weil allen klar war, dass sie einen Rettungswagen wieder fortschicken würde, bat man mich also, meine Mutter davon zu überzeugen, dass ein Besuch der Notaufnahme sinnvoll und lebenswichtig wäre. Besucht haben wir am Ende tatsächlich das Krankenhaus, aber es blieb bei einer Stippvisite. Sie verweigerte hartnäckig die Behandlung und unterschrieb damit ihr Todesurteil.

Am Morgen darauf wollte ich mit ihr eine Patientenverfügung verfassen, doch auch das lehnte sie als unsinnig ab: »In zehn Tagen bin ich wieder fit.«

Von dem Tag an verschlechterte sich ihr Zustand zusehends, die Bewusstseinstrübung schritt fort, sie schlief immer mehr, sah nicht mehr fern, starrte nur so vor sich hin und wartete eigensinnig auf Besserung. Die Lieferung des ersehnten Pflegebettes nahm sie kaum wahr, darin gelegen hat sie schließlich nur wenige Stunden.

#»In zehn Tagen bin ich wieder fit!«

Nach zehn Tagen war sie natürlich nicht wieder fit, sondern wurde mit Verdacht auf Darmverschluss ins Krankenhaus eingeliefert. Dagegen konnte sie sich nicht mehr widersetzen, denn bei akuter Lebensgefahr zählt ein Nein nicht. »Nein« war tatsächlich ihr letztes Wort. Der Ileus-Verdacht bestätigte sich zwar nicht, aber der Zustand meiner Mutter war insgesamt katastrophal, die Prognose denkbar schlecht, die Nieren arbeiteten nicht mehr, multiples Organversagen drohte. Nun war meine Mutter letztendlich doch dort angekommen, wo sie keinesfalls sein wollte. Und in einem Zustand, den sie nicht haben wollte. Hilflos und fremden Menschen ausgeliefert.

Gemeinsam mit der diensthabenden Ärztin in der Notaufnahme unseres Krankenhauses musste ich nun mangels einer Patientenverfügung nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, was zu tun und was zu lassen sei.

Das war grausam schwer für mich. Wenn das Innerste doch verzweifelt ruft: »Es ist meine Mama, helft ihr bitte, macht alles, was ihr könnt!«, dann muss dennoch bitteschön der Verstand siegen und nüchtern über Sinn und Unsinn von Behandlung entscheiden.

#Entscheiden über Leben und Tod, Sinn und Unsinn

Als mein zehnjähriger Sohn fragte, ob die Ärzte auch alles Menschenmögliche für Oma getan haben, habe ich ihm das schließlich so erklärt: »Nicht alles, was möglich ist, ist auch immer sinnvoll.«

Und so entschied ich dann schweren Herzens, dass meine 83 Jahre alte Mutter keine Intensivbetreuung bekommen sollte, im Zweifel keine Wiederbelebung, keine Dialyse und keine Ernährung über eine Magensonde. Aber natürlich alles gegen Schmerzen und Antibiose, falls nötig. Zugestimmt habe ich der Infusion der Kochsalzlösung und einer Bluttransfusion. Falls diese beiden Maßnahmen nicht ausreichen sollten, um die Nieren zum Weiterarbeiten zu bewegen, so würde ich meine Mutter gehen lassen, was dann zehn Tage nach ihrer Einlieferung in die Klinik auch geschah.

Es waren schlimme zehn Tage voller Zorn und Fassungslosigkeit, voller Kummer und Sorgen. Zehn Tage, in denen ich mitansehen musste, wie meine Mutter immer weiter fort ging, immer tiefer schlief, bis ihr Herz schließlich zu schlagen aufhörte. Zehn Tage, in denen ich immer wieder zweifelte, ob die Entscheidungen richtig waren, obwohl ich mich gut begleitet fühlte von Pflegedienst und Ärztinnen. Aber letztlich musste eben doch ich die Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür tragen.

#»Mensch, Mama!«

Verlobung 1956. 20 Jahre war meine Mama alt, mein Vater fast 24.

Ich werde immer mal wieder am Grab meiner Mutter stehen und leise mit ihr schimpfen, wie ich auch in ihren letzten Wochen und Tagen mit ihr geschimpft habe: »Wie kann man nur so stur sein? Mensch, Mama!«
Tröstlich ist für mich, dass meine Eltern nach 16 Jahren der Trennung nun wieder vereint sind. Seit der Schulzeit waren sie bis zum Tod meines Vaters 2003 ein Paar.

Trotz allem war Mamas Sterben im Grunde nur konsequent. Ihr Leben lang hat sie starrsinnig verneint, was nicht sein sollte. Noch am Tag, an dem mein Vater starb, verschloss sie die Augen vor dem Offensichtlichen. Auch dass ihr Hund todkrank sein sollte, wollte sie bis zum Schluss nicht wahrhaben. Aber dass dieser zwölf Jahre alte Hund mit einem Milztumor, der jederzeit platzen kann, meine Mutter überlebt, das hätte tatsächlich niemand für möglich gehalten.

#Patientenverfügung!

Im Grunde ist es eine riesengroße boshafte Gemeinheit, jemand anderen für und über sein Leben entscheiden zu lassen. Die Verantwortung nicht selbst tragen zu wollen. Natürlich ist eine Patientenverfügung kompliziert und bedarf im Laufe des Lebens auch immer wieder der Überarbeitung, der Anpassung an das Jetzt, an das aktuelle Lebensalter. Sind die Kinder noch klein, so möchte man selbstredend eine Reanimation, ist man hingegen über 80 Jahre alt und blickt auf ein reiches Leben zurück, womöglich nicht mehr.

Die Frage warum eine Patientenverfügung so wichtig ist und dass sie gar nicht so kompliziert herzustellen ist, habe ich hier beantwortet.

Kau nicht neben meinem Ohr!

von Claudia Stieglmayr

#Miss Funny

Als ich die Idee hatte, doch mal über eine meiner Macken zu schreiben, war ich gerade auf einer regnerischen Hunderunde im Wald. Weil ich im strömenden Regen mein Handy nicht rausholen wollte, dachte ich, ich könnte womöglich zum allerersten Mal Siri bemühen. Ich aktivierte also meine Smartwatch und sagte: »Erinnere mich daran, einen Artikel über Misophonie zu schreiben.« Siri erstellte dann selbstständig eine Notiz und sagte anschließend: »Hier ist deine Erinnerung.« Sie hatte geschrieben: Schreibe einen Artikel über Miso Funny. Das fand ich lustig. Ich bin also Miss Funny.

#Was ist Misophonie?

Was Misophonie allerdings tatsächlich bedeutet, ist weniger lustig. Wörtlich übersetzt heißt das »Hass auf Geräusche«. Wobei nicht die Intensität – die Lautstärke oder die Frequenz – des Geräusches ausschlaggebend für die physische und psychische Reaktion der Betroffenen ist, sondern allein dessen bloße Existenz.

Der Begriff Misophonie wird in der psychologischen Fachwelt seit 2001 verwendet. Nun, es ist ja immer schön, wenn eine seltene Sache einen Namen bekommt. Es sind tatsächlich gar nicht so viele Menschen, die unter dieser Störung leiden. Weniger als ein Prozent der Bevölkerung verspürt einen regelrechten Hass auf manche Geräusche. Daher erfährt der Misophoniker auch generell kaum Verständnis für seine Lage. Und viele Betroffene wissen nicht einmal, dass sie unter einer Störung leiden. Sie gelten in ihrer Umwelt schlicht als superempfindlich.

#79.999 Menschen und ich

Wie ist es also für mich und die geschätzten 79.999 anderen Menschen in Deutschland, die extrem zickig auf bestimmte Geräusche reagieren? Kaugeräusche sind vielleicht ein gutes Beispiel. Natürlich wird von vielen von uns zum Beispiel Schmatzen als ungehörig und unangenehm empfunden. Wer aber an Misophonie leidet, spürt unter Einfluss dieser Geräusche anschwellende Wut, Druck in der Brust oder auf Armen und Beinen. Manchmal steigt sogar der Blutdruck.
Die Betroffenen schaffen es nicht, dieses Geräusch auszublenden oder den Hass darauf zu beherrschen. Das Ohr scheint sich im Gegenteil auf genau dieses Geräusch zu fokussieren und alle anderen, neutralen Umgebungsgeräusche auszublenden. Häufig bleibt dann nur die Flucht aus der Situation.

#Kaugeräusche

©Ylva Stieglmayr

Das Problem mit den Kaugeräuschen habe ich auch insbesondere dann, wenn meine Mutter etwas kaut. Nun, das kann natürlich noch tiefere Ursachen haben. Das liegt daran, dass jedes Schallereignis – auch eine menschliche Stimme – vom Limbischen System eine emotionale Färbung, eine Wertung zugeordnet bekommt.
Jedenfalls ist das alles ziemlich blöd, denn wir essen mittags immer zusammen.

Grundsätzlich habe ich diese Geräuschwut ganz gut im Griff, indem ich dafür sorge, dass es andere Schallwellen in der Umgebung gibt, die den Kau-Sound überlagern. Zum Beispiel dudelt mittags immer das Radio. Und außerdem sorge ich dafür, dass ich nicht direkt neben meiner Mutter sitze. Aber manchmal ist es für mich trotzdem so schlimm, dass ich kurz den Raum verlassen und einmal tief durchatmen muss.

#Popcorn, Chips und Telefon

»Kau nicht neben meinem Ohr!« Diesen mit leicht aggressivem Unterton versehenen, häufig wütend gezischten Befehl kennen meine Kinder zum Beispiel sehr gut. Denn wenn direkt neben meinem Ohr gekaut wird, ist es auch völlig gleichgültig, wer das macht. Das macht mich immer hassig. Gleiches gilt für Menschen, die essen, während sie mit mir telefonieren. Diese kauen mir dann quasi direkt ins Ohr. Das kann ich überhaupt nicht aushalten. Am liebsten würde ich in diesem Momenten den Hörer gegen die Wand knallen.

Das ist übrigens auch einer der Gründe dafür, weshalb ich so ungern ins Kino gehe. Dort sind mit Sicherheit Menschen um mich herum, die mit offenem Mund Popcorn oder Chips kauen. Das kann mir dann den ganzen Film versauen. Außerdem sitze ich sowieso sehr, sehr ungern neben fremden Menschen. Das hat aber generell mehr mit Gerüchen als mit Geräuschen zu tun. Gerüche sind für mich und mein Limbisches System extrem wichtig. So wichtig, dass ich früher mal Schnuffelchen genannt wurde und beim Sport ein Gerät nicht nutzen konnte. Davon ein anderes Mal mehr.

#Einatmen, ausatmen

Neulich habe ich, anstatt in aller Eile einzukaufen, die Trainings-Stunde meines Sohnes nur für mich nutzen und ganz in Ruhe ein Buch lesen wollen. Leider hatte eine andere Mutter dieselbe Idee, und so hockten wir gemeinsam in einer Umkleide. Und sie atmete. Na sowas. Muss sie ja auch. Und vermutlich tat sie es gar nicht nicht wirklich laut (sie röchelte oder schniefte auch nicht), aber ich spürte, wie in mir so langsam und unaufhaltsam die Wut hochkroch.

Früher hätte ich versucht, mich in irgendeiner Weise zusammenzureißen, ich hätte mich blöd und hysterisch gefunden – und hätte dennoch nichts an dieser beständig wachsenden Wut ändern können. So manches Mal habe ich schon, letztendlich doch meine Fassung verlierend, unschuldige Leute angefaucht: »Müssen Sie so laut atmen?« Peinlich.

An jenem Tag war ich jedoch achtsam mit mir und meiner Umgebung und bin genau in dem Moment aufsteigenden Hasses einfach gegangen, habe mich ins Treppenhaus gesetzt und dort mein Buch gelesen. Das war dann völlig okay für mich, und die Wut konnte in Ruhe verrauchen. Die andere Mutter ist übrigens wirklich richtig nett.

#Klickeklick

Manche von Misophonie Betroffenen können nervöses Kugelschreiberklicken nicht ertragen. Und während ich noch darüber nachdachte, ob ich dazugehöre, geschah es.

Ich wartete gerade in einem Wartezimmer darauf, aufgerufen zu werden, als ein anderer Wartender seinen Fragebogen fertig ausgefüllt hatte und damit begann, das lockere Ende des Kugelschreibers zu malträtieren. Klickeklick – klickeklick – klickeklick. Okay, dachte ich, als ich die altbekannte Wut in mir aufsteigen spürte, ja, auch ich gehöre leider dazu. Ehe ich aber ausflippen konnte, wurde ich zum Glück aufgerufen und konnte der unerträglichen Situation unbemerkt entkommen.

#Umgelenkte Aggression

Manchmal müssen auch zwei Trigger gleichzeitig aktiviert werden, damit ich in Rage gerate. Wenn ich beispielsweise versuche, diese Internetsprache zu verstehen und an dem Outfit meines Blogs zu basteln – und es klappt irgendwie nix. Dann entsteht so etwas wie umgelenkte Aggression, und mein Ärger über mich selbst und meine Begriffsstutzigkeit weiten sich quasi auf Umgebungsgeräusche aus. Dann kann es sein, dass ich die Kinder, die ganz friedlich und fröhlich mit der Wii spielen, ganz plötzlich giftig anfauche, sie sollen die Bonbons nicht im Mund zerknacken oder gar mit dem Gummibärchenpapier knistern. Chips kauen geht dann auch überhaupt gar nicht.

#Glück im Unglück

Aber alles in allem habe ich (und damit meine Umwelt) noch Glück gehabt, denn meine Misophonie ist anscheinend eher schwächer ausgeprägt. Es gibt Betroffene, die können kaum noch am öffentlichen Leben teilnehmen, weil sie es beispielsweise nicht aushalten, mit anderen Menschen in Bus oder Bahn zu sitzen.

#Weitere Informationen

Wenn Ihr Euch in meinem Text wiedererkannt habt, findet Ihr hier weitere Informationen zum Thema:

Blende das doch einfach aus! Ein Text zum Thema Hochsensibilität von meiner dienstältesten Schulfreundin und Reisebloggerin Andrea Lammert

Wenn Geräusche in den Wahnsinn treiben
Ohrensausen
Misophonie

Gutes tun und genießen!

Fair gehandelter Kaffee direkt vom Erzeuger

#Moin!

Ohne Kaffee geht nix

Wer mich kennt, der weiß, dass ich morgens erst zu sprechen beginne, wenn ich zwei Redeye mit Milch intus habe. Ein guter Kaffee ist mir also extrem wichtig, ansonsten kann es sein, dass ich den ganzen Tag lang schlechte Laune habe.

#Keine Milch mehr da? Katastrophe!

Richtig ausgeflippt bin ich einmal, als eines meiner Kinder den letzten Schluck Milch verbraucht hatte, der für meinen Kaffee eingeplant war. Damals bin ich dann schnell ganz kleinlaut geworden, denn ich habe in unserer Ferienwohnung auch immer für solche Notfälle eine Packung H-Milch im Schrank. Nun, seitdem fragen meine Lieben jedenfalls immer, ob noch Milch da ist, bevor sie den letzten Rest aus der Flasche verschlingen. Außerdem wissen alle, dass ich richtig böse werde, wenn Milch verschwendet wird, indem sich zu viel ins Müsli gegossen und der Rest dann stehen gelassen wird. Ich finde nämlich, wenn wir den Kälbchen schon die Muttermilch stehlen, dass sollten wir auch achtsam damit umgehen.

#Achtsamkeit und Nachhaltigkeit

Einen Espresso, bitte!

Achtsamkeit und Nachhaltigkeit ist ebenfalls immer ein Thema bei mir. So ist es also auch beim Kaffee. Er soll natürlich in erster Linie gut schmecken, aber ich lege auch Wert darauf, dass er fair gehandelt ist. Und natürlich haben wir einen ganze Bohnen schreddernden Kaffeevollautomaten in der Küche. Ganz ehrlich: Es gibt doch nichts, was dämlicher und unökologischer ist, als diese Kapselmaschinen, wo in den Alu-Kapseln oft minderwertiger Kaffee drin ist, der aber dafür umgerechnet 70 Euro das Kilo kostet. Darüber kann auch ein George Clooney nicht hinwegtrösten.

#Chania Coffee – The story of my people

Kürzlich war ich im örtlichen Teeladen, um mir nach einer ganz besonders anstrengenden Woche eine Belohnung zu gönnen, die nicht gleich auf die Hüften wandert oder betrunken macht. Da wurde ich von der zauberhaften Inhaberin auf eine ganz besondere Kaffeerösterei aufmerksam gemacht: »Chania Coffee – The story of my people«

Und als sie mir berichtete, dass sie die Chefin dieses kleinen Unternehmens, Muthoni Schneidewind, persönlich kennt und mir die Geschichte zu diesem Kaffee erzählte, war ich tief beeindruckt und sogleich sehr neugierig darauf, diesen Kaffee auszuprobieren.

#Helfen mit Genuss

Muthoni ist am Fuße des Mount Kenia in einer Kaffee produzierenden Gemeinde geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern arbeiteten hart auf der Farm, um ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Muthoni wurde Kaffeerösterin und lebt inzwischen in Kaltenkirchen bei Hamburg. Weil das Leben in ihrem kenianischen Heimatdorf noch immer schwer ist, gründete sie Chania Coffee, um den Verein KEDOVO durch den Verkauf des direkt aus ihrem Dorf importierten und nachhaltig produzierten Kaffees zu unterstützen. Natürlich fair gehandelt, aber eben auch direkt und ohne große Verwaltungskosten großer Fair Trade-Unternehmen, sodass das Geld direkt in Schulprojekte und in die Entwicklung der Dörfer fließen kann. Das finde ich ganz großartig!

Köstlicher Kaffee aus Kenia

Oh, und natürlich würde ich nicht darüber schreiben, wenn der Kaffee selbst nicht auch großartig wäre. Ich habe den Jambo Kahawa gekauft, 100 % Arabica und langsam geröstet. Natürlich ist dieser Kaffee mit 23,96 € pro Kilo im Onlineshop und 27,80 € bei uns im Teeladen deutlich teurer als die Bohnen großer Kaffeeröstereien aus dem Supermarkt. Aber das Gefühl, mit jeder einzelnen Bohne ein wirklich gutes Projekt zu unterstützen, lässt mir meinen Redeye noch viel köstlicher erscheinen. Und dieses Gefühl ist wirklich unbezahlbar.

Ich bin dann mal kurz weg

Ein völlig undramatischer OP-Report

# Geht es überhaupt ohne mich?

Die Notfalltasche ist gepackt, ich soll um acht in der Klinik sein. Ein Routineeingriff, keine große Sache. Aber ich bin Mutter. Und deswegen ist eben doch alles anders. Was ist, wenn… wenn ich nicht mehr aufwache aus der Narkose? Solche Gedanken gehen durch meinen Kopf. Und auch: Wie schön, dass die Kinder nicht mehr ganz klein sind und ich sicher sein kann, dass mein persönlicher MacGyver alles im Griff hat.

# Gut geplant, ist halb operiert.

Links oder rechts? Wo ist das Reh nur hin?

Geplant war, dass ich mich um acht auf der Station melden soll. Geplant war, dass ich um halb sieben in der ersten Dämmerung mit den Hunden in den Wald renne, damit sie eine Stunde Auslauf haben, denn den Rest des Tages wird es für sie bei Bedarf nur den Garten zum Pinkeln geben. Und wie es mir am Tag danach gehen wird, weiß ich ja noch gar nicht.

Aber dann kommt am Abend vor der Operation der Anruf der Stationsleitung: Antreten schon um sieben, ich bin von Startplatz vier auf zwei vorgerückt. Also gibt es hier ebenfalls eine Planänderung, und ich muss im Dunkeln mit Taschenlampe in den Wald, und zwar um halb sechs. Die große Runde fällt leider aus: Die Gefahr, dass sich um diese Zeit in diesem Waldteil Rehwild aufhält und meine Rennteile zum Hetzen animiert, ist mir zu groß für Freilauf.

# »Ich hab euch lieb!«

Als ich den Heimathafen schließlich um kurz nach halb sieben in Richtung Klinik verlasse, sind die Brotdosen für die Kinder gefüllt, die Küche ist aufgeräumt, die Sprösslinge geweckt. Ganz wichtig ist mir auch, dass ich zum Abschied noch allen sage, wie lieb ich sie habe. Man weiß ja nie… Außerdem habe ich schnell noch alle offenen Rechnungen bezahlt, die Wochenarbeitszeit wurde bereits in den Tagen zuvor vorgearbeitet. Am kommenden Montag fällige Texte habe ich schon am Mittwoch um vier Uhr morgens in Richtung Verlag abgeschickt. Falls…

# Und erstens kommt es anders…

»Moin, meine Liebe, es hätte doch alles wie geplant laufen können, Sie sind jetzt nämlich erst Nummer drei, eine große OP bekommt Startplatz eins.« Tut mir für die Hunde leid, ansonsten freue ich mich darauf, die Wartezeit mit einem guten Buch zu verbringen, zum Lesen fehlt mir im Alltag ja oft die Zeit.
Ich bekomme ein OP-Outfit in die Hand gedrückt und ein Bett in einem Dreier-Zimmer zugewiesen. Dort wohnt schon eine Dame, die an diesem Tag ihre Entlassung erwartet, das zweite Bett ist für eine ebenfalls ambulant zu Operierende wie mich gerichtet.

# »Buchen Sie schon mal ein Reiseziel!«

Um kurz vor elf geht es endlich los. Während ich doch sonst ein eher ängstlicher Typ bin, wundert mich kurz, dass es im medizinischen Bereich nicht so ist. Weder beim Zahnarzt noch jetzt hier in der Klinik. Ganz anders war es, als mein Kleiner eine OP hatte, diese Wartezeit und dieses Nichts-Tun-Können für ihn war ganz schlimm für mich.
Nein danke, keine Beruhigungstablette vorher, ich bin nicht ängstlich, freue mich, den Narkosearzt aus dem Vorgespräch anhand seiner zwischen Mundschutz und OP-Haube hindurchblitzenden Augen wiederzuerkennen (obwohl ich keine Brille aufhabe), vertraue.

Der periphere Venenkatheter, besser bekannt als Kanüle (oder Braunüle, was aber eigentlich ein Markenname ist) wird gelegt, ich spüre, wie die Schwester meine Vene durchsticht und das mit »Oh, ich habe gekleckert!« zu überspielen versucht. Grmpf. Der blaue Fleck, der sich am Unterarm bilden wird, wird mindestens eine Woche lang zu sehen sein. Das weiß ich jetzt schon. Und vergessen werde ich auch nicht, dass diese olle Zippe von OP-Püppi meine Ärztin schlechtgemacht hat. Das ist wirklich wenig hilfreich, so zwei Sekunden vor Lichtaus.

# Ab in den Urlaub

Der zweite Anästhesist macht Witzchen und sagt, ich solle mir schon mal einen schönen Urlaubsort vorstellen, zu dem ich dann gleich reisen würde. Die erste Spritze landet in der Braunüle. Also, jetzt müsse ich mich aber für einen Urlaub entschieden haben, sagt er, viel Zeit sei nun nicht mehr vor dem Abflug. Dann setzt er die zweite Spritze. Um meine Nase fühlt es sich kalt an, dann habe ich noch ein seltsam brennendes Gefühl in der Brust, dann nichts mehr…

# Urlaub beendet

Es ist seltsam, ganz woanders aufzuwachen als man eingeschlafen ist, finde ich. Mein Blutdruck ist 110 zu 70, genau wie direkt vor der OP. Die Schwester ruft gerade auf Station an, ich sei schon die ganze Zeit wach und könne dann mal weg.

»Wie spät ist es?«, frage ich. »Das haben Sie mich eben schon gefragt und fragen das bestimmt gleich noch mal: Es ist gleich zwölf«, sagt die Schwester fröhlich.
Ups, anscheinend gibt es so etwas wie Narkosedemenz.

# Zimmer mit Aussicht

Der ganze Spuk hat keine Stunde gedauert. Als ich auf Station geschoben werde, erfahre ich, dass MacGyver auch schon mal kurz da war. Wie süß, es war doch verabredet, dass ich mich melde, wenn ich wieder wach bin. Vermutlich sind sich sogar die Fahrstühle begegnet, denn er kam auf der Station an, als ich gerade auf dem Weg in den OP war. Das ist eine nette Vorstellung.

Dreibettzimmer mit Elbblick

Zurück im Stations-Zimmer werde ich von den anderen Damen so begeistert und mit Applaus empfangen, als hätte ich bei Shopping-Queen gewonnen. Dabei hatte ich mich gar nicht an deren Gesprächen vor dem Eingriff beteiligt, ich wollte ja lesen. Aber nun bin auch ich zum Plaudern aufgelegt.

Wir sind multikulti. Wir kauderwelschen deutsch und französisch und italienisch miteinander. Die gesamte Familie der Patientin direkt neben mir ist da, erfahre ich. Im Zimmer sind aber nur ihre Tochter und deren Freundin. Sie selbst spricht auch nicht, die Mädchen plaudern mit uns und verraten, dass die Mama große Angst vor ihrer OP hat. Die Männer warten im Flur, das gebietet die Höflichkeit bei den Muslimen.

Patientin Nummer eins erfährt, dass sie nun doch noch eine Nacht bleiben muss, ein Blutwert ist nicht gut. Ihr Abholkommando, bestehend aus Sohn und Tochter, muss wieder abziehen.

# Wieder daheim

Ich soll noch ein paar Stunden das Krankenhausbett hüten, darf am späten Nachmittag aber endlich wieder nach Hause. MacGyver holt mich ab und bewacht mich für 24 Stunden. Mindestens eine Woche lang soll ich mich körperlich schonen. Man würde mich normalerweise krankschreiben, aber das hat bei mir ja keinen Sinn – die Arbeit, die liegenbleibt, muss ich dann ohnehin nachholen, was Doppelschichten bedeuten würde. War schon immer so, Vertretungen gibt es nicht, für Urlaube und Krankheiten muss vorgearbeitet werden. Zum Glück ist es keine schwere körperliche Tätigkeit, ich sortiere ja nur Buchstaben von intellektuell leichter Kost, das kann ich auch im Bett liegend tun.

# Die Tage danach

Noch Tage nach der OP wuselt mein Zehnjähriger auffallend häufig um mich herum, möchte immer wieder einen Knuffel und sagt mir, dass er mich liebhat. Er hat sich offensichtlich große Sorgen um mich gemacht, obwohl ich mich bestimmt darum bemüht habe, sachlich und altersgemäß zu informieren und keine Panik zu verbreiten. Ich war selbst auch wirklich nicht ängstlich, die Gelassenheit bezüglich der Operation war also authentisch und nicht gespielt. Aber er hat schon ganz feine Antennen, ich vermute manchmal, dass er hochsensibel ist. Wenn ich dazu den Artikel von meiner Immer-Freundin und Bloggerin Andrea Lammert (Indigo-Blau.de) zum Thema »Hochsensibilität« lese, denke ich: Ach ja, das ist er.

# Wieder fit?

Eine gute Woche bin ich dann doch noch angeschlagen. Ich verpasse auch den Geburtstag einer Freundin, aber die hat mich in diesem Jahr zum Glück auch nicht eingeladen. Vielleicht hatte sie mich schon abgeschrieben, weil ich mich dann doch ein bisschen aus Sorge wegen der OP und natürlich aus Zeitmangel wegen dieser Schulwahlgeschichte zurückgezogen hatte. Man kann es eben nicht allen recht machen, selbst wenn man sich Mühe gibt. Irgendein Schlips liegt immer im Weg rum.

Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen

Ich freue mich jedenfalls, dass ich so langsam wieder mit dem Sport beginnen kann, denn ich hatte einfach viel zu viel Zeit zum Essen in der vergangenen Woche. Dafür sind natürlich wiederum wunderbare Rezepte für diesen Blog erkocht worden, zum Beispiel Sauerkraut mit Lachs; alles hat eben immer auch sein Gutes.

Claudia Stieglmayr

Vorsicht, Schulwechsel!

Überall in Deutschland steht sie dieser Tage an: die Entscheidung, welche Schule für mein Kind nach der Grundschule die richtige ist. Bei uns auch. Zum zweiten Mal.

# Vor vier Jahren war alles einfacher

Ich habe das Gefühl, dass vor vier Jahren alles leichter war. Oder der Weg für Kind I war aufgrund der Schulnoten klarer vorgezeichnet. Kann auch sein. Vor vier Jahren fiel in Schleswig-Holstein die Schulempfehlung der Grundschule zum ersten Mal weg, das Beratungsgespräch war ein absurdes Herumgeeiere, in dem die Lehrerin herausfinden wollte, was wir denn so vorhatten, um darauf etwas Schwammiges zu sagen. Ich verriet aber nichts, sodass man sich schließlich genötigt sah, irgendwas zu sagen: »Wir sind sicher, egal welche Schule das Kind wählen wird, es wird seinen Weg schon machen.« Aha. Das war also die verschlüsselte Gymnasialempfehlung.
Was das Land Schleswig-Holstein zur Schulwahl in einer Broschüre schreibt, findet ihr hier

# Wie kommt es überhaupt zu Schulnoten?

Schulnoten werden immer auch im Klassenkontext gegeben, wie eine deutschlandweite Studie aus dem Jahr 1999 zeigen konnte. Dabei wurden eine Deutsch- und eine Mathearbeit von 1000 Lehrern beurteilt. Die Noten: Von Eins bis Fünf war alles dabei…

In einer leistungsstarken Klasse ist es also vermutlich schwerer, eine gute Zensur zu bekommen. Meine Tochter war damals eines von nur sechs Mädchen und außerdem das einzige Mädchen ohne Migrationshintergrund. Im Halbjahreszeugnis der vierten Klasse war ihre schlechteste Note eine Drei. Also nur eine Drei. Eine einzige.
Dabei kann ich vier Jahre später für meinen Sohn, der eine andere Grundschule besucht, mit Sicherheit sagen: Er kann viel mehr als seine große Schwester zu gleicher Zeit. Aber seine Noten sind lange nicht so herausragend. Sie hatte beispielsweise in Englisch sehr gute Klassenarbeiten geschrieben und auch eine Eins im Zeugnis. Er hat ebenfalls sehr gute Klassenarbeiten geschrieben und bekam eine Drei ins Zeugnis geklatscht. Tja. Andere Lehrer, andere Schule, andere Note.
Wobei wir bei der Generalfrage nach Sinn und Unsinn der Notengebung angelangt wären. Das soll hier aber nicht Thema sein. Ein interessanter Artikel dazu findet sich hier.

# Weichenstellung – von der Schule bis zur Rente

In diesem Jahr gibt es bei uns erstmals wieder eine Schulempfehlung von der Grundschule. Kind II hat eine Empfehlung für eine Gemeinschaftsschule bekommen. Das hatte ich auch so erwartet, glücklich hat es mich nicht gemacht. Aber es geht hier ja auch nicht um mich, sondern darum, dass wir als Eltern jetzt die Verantwortung haben, die richtige Entscheidung für das Kind zu treffen. Es kommt mir vor, als stünden wir jetzt davor, die Weichen bis… ja, bis zur Rente zu stellen. Das ist natürlich Unsinn, fühlt sich aber so an.

Diese Verantwortung lastet derart schwer auf unseren Schultern, dass manche Eltern sogar schon von Schulen träumen und schweißgebadet aufwachen. Kann natürlich auch daran liegen, dass das zurzeit das allgegenwärtige Thema ist.

# Odyssee durch die Schulen am Ort

Innerhalb der vergangenen zwei Wochen habe ich an Veranstaltungen in den drei weiterführenden Schulen im Ort (ein Gymnasium, zwei Gemeinschaftsschulen – eine mit gutem und eine mit schlechtem Ruf) teilgenommen. Drei Eltern-Infoabende, drei Schnuppertage für die Kinder wurden angeboten. Einer der Schulleiter sagte, man solle »ergebnisoffen« Beratungsangebote wahrnehmen.

In der einen Schule wurden wir direkt freundlich von der Unterstufenleiterin persönlich in Empfang genommen und in eine Führung durch eine freundliche Lehrerin gesteckt. In der anderen Schule standen wir etwas verloren herum, die ab und zu vorbeistreunenden Lehrkräfte mochten uns nicht einmal grüßen. Schließlich fanden wir selbst heraus, dass hier ein Grüppchen aus Oberstufenschülern Führungen leiten würde. In der dritten Schule gab es weder eine Begrüßung noch war ersichtlich, wann und wo es Touren durch die Einrichtung geben würde.
Der Infoabend dieser Schule war ähnlich konfus strukturiert, es wurde viel zu viel über das Schulsystem an sich und viel zu wenig über diese spezielle Schule referiert. Wie genau das Ganztagsangebot zum Beispiel aussieht, blieb im Dunkeln, während Schule zwei dazu sogar eine Hochglanzbroschüre verteilte. Dort war auch der beste Schulhof, das fanden unsere Viertklässler immens wichtig. Warum in Schule drei die Hangelstangen im Bereich der Mittel- und Oberstufe und nicht im ganz woanders liegenden Komplex der Unterstufe aufgebaut worden sind, konnte sich niemand erklären. Dafür war dort der Kuchen umsonst.

Was bieten die Schulen?

In Schule eins waren in der Biologie die besten Exponate ausgestellt und im Chemiebereich konnte man aus Kupfer Gold machen; dagegen punktete Schule zwei bei den Viertklässlern mit selbst herzustellenden Fossilien und Probeunterricht. Schule drei protzte mit einer riesigen LED-Videowand, die im Unterricht genutzt werden kann. In Schule eins durften die Kinder in den Musikräumen Instrumente in die Hand nehmen, während der Gitarrenkursus-Leiter an Schule zwei lieber selbst demonstrierte, wie gut er sein Instrument beherrscht. Dafür ist das Gebäude mit zwanzig Jahren auf dem kreisrunden Buckel aber das neueste. Da kann Schule drei überhaupt nicht mithalten; der Schulleiter warb beim Infoabend aber dafür, dass die neuen Schüler nach zwei Jahren Baulärm direkt auf dem Schulhof einen Neubau besiedeln dürfen.

Was will das Kind?

Im Anschluss an den Info-Marathon bat ich Kind II, einmal die Augen zu schließen und sich alle Schulen noch einmal vorzustellen und nachzuspüren, an welcher es sich am wohlsten gefühlt hatte. Was sonst sollten Zehnjährige wohl beurteilen? Sie können doch überhaupt nicht wissen, was wo auf sie zukommt, was daran liegt, dass die Evolution hellseherische Fähigkeiten als nicht notwendigerweise überlebenssinnvoll eingestuft und wenig gefördert hat.

# Das Beratungsgespräch

Was haben wir außer einer großen Erschöpfung nun aus dieser Schulhof-Odyssee für uns herausgefunden? Es gibt ein Bauchgefühl-Ranking. Das deckt sich nun aber eben leider nicht mit der Empfehlung. Wenn die Eltern sich gegen die Empfehlung für das Gymnasium entscheiden, ist ein Beratungsgespräch verpflichtend. Es ist ein bisschen so wie bei Abtreibungen: Beratung ist Pflicht, verhindert aber die Entscheidung nicht. So können Eltern dann auch nach negativem Beratungsgespräch das Kind an der Oberschule anmelden, wenn sie dann noch wollen.

Also haben wir ergebnisoffen ein Beratungsgespräch mit der Unterstufenleiterin des örtlichen Gymnasiums geführt. Die hat sich das Zeugnis angesehen, sich angehört, wie ich denn die Lage so sehe, und sie hat auch Kind II befragt, wo es denn zur Schule gehen möchte. Und dann hat sie lächelnd gesagt: »Ich kann Ihnen keinesfalls davon abraten, Ihren Sohn hier anzumelden.« Und an Kind II gewandt: »Ich würde mich freuen, dich an dieser Schule zu sehen.«

# Fazit

Das alles hier schreibt übrigens eine, die selbst keine Gymnasialempfehlung hatte, trotzdem hinging und ohne Schwierigkeiten und Ehrenrunde das Abitur bestanden hat. Ich denke, wir werden noch ein paar Mal schlafen und dann die richtige Entscheidung treffen. Mit Bauchgefühl.

Claudia Stieglmayr

Mecker-Mama ist immer zu Hause

(Lesezeit: ca. 5 Minuten)

# Mama ist immer zu Hause

Wenn man meine Kinder fragt, was Mama denn so arbeitet, werden sie vermutlich sagen: »Mama arbeitet nicht. Die ist immer zu Hause.« Das müssen sie auch denken. Ich bin zu Hause, um sie zu wecken, damit sie rechtzeitig in die Schule zu kommen. Ich bin zu Hause, wenn sie aus der Schule kommen und zu Mittag essen möchten. Ich bin zu Hause, wenn für Klassenarbeiten geübt, schwierige Hausaufgaben erledigt oder Vokabeln abgefragt werden müssen. Ich bin nachmittags zu Hause, um Fahrdienste zu Sport oder Freunden zu leisten (und zur Logo, zur Ergo, zur Nachhilfe). Dass ich morgens um vier Uhr aufstehe, zur Kaffeemaschine wanke und arbeite, damit ich Zeit für sie habe, ist ihnen nicht klar.

# Meckern, immer nur meckern!

Aus Sicht meiner Kinder bin ich übrigens hauptsächlich aus rein sadistischen Gründen zu Hause, nämlich, um mit ihnen zu meckern. Weil die Milch nicht in den Kühlschrank zurückgestellt wurde, weil die Ranzen mitten Flur stehen oder Inhalte von Brotdosen über die Sommerferien hinweg im Ranzen vor sich hin gegammelt haben (die spannendste Transformation hatte eine Mandarine vollzogen, die ich eines Frühsommers zufällig in den Tiefen des töchterlichen Ranzens aufgespürt hatte; zum Glück geschah diese Metamorphose in einem Klarsichtbeutel…).

Ja, Mütter meckern für ihr Leben gern und oft und oft auch laut. Das ist ihre absolute Lieblingsbeschäftigung. Um des Meckerns willen sind sie überhaupt nur Mutter geworden. Das glauben jedenfalls meine Kinder. Aber tatsächlich meckere ich ganz und gar nicht gern. Ganz ehrlich: Wenn ich gewusst hätte, wie viel ich meckern muss, dann wäre ich Vater geworden, den ganzen Tag außer Haus und würde abends die lieben Kleinen ins Bett bringen. Oder überhaupt grundsätzlich erst dann kommen, wenn sie schon schlafen. Sie sind so süß, wenn sie schlafen.

# Homeoffice, wie toll?

Wann bin ich sonst noch zu Hause? Ach ja, wie gesagt, ich arbeite dort. Für Geld. Nicht, was Sie jetzt denken. Ich habe noch einen bezahlten Job. 30 Stunden. Den mache ich auch irgendwann. Ja, klar, wenn die Kinder in der Schule sind. Stimmt. Das reicht aber nicht aus, um 30 Stunden zu füllen (außerdem möchte mein Rücken mindestens dreimal die Woche zum Krafttraining, und die Hunde wollen ihre täglichen Runden).

So stehe ich also praktisch jeden Morgen um vier Uhr auf, damit ich in Ruhe arbeiten kann, bis es Zeit für den Weck- und Brotdosen-Dienst ist. Und abends nach Zapfenstreich bin ich noch die eine oder andere Stunde fleißig, wenn ich nicht zu müde dafür bin. Manchmal muss ich auch am Wochenende noch eine kleine Schicht einschieben, wenn ich nicht alles geschafft habe. Zum Glück kann ich mir meine Zeit völlig frei einteilen, ich habe Abgabetermine zu halten, der Rest ist wurscht.

# Immer auf dem Sprung

Wenn morgens alle aus dem Haus sind, bin ich also bereits vier Stunden auf den Füßen, habe locker 2500 Schritte auf der Uhr; Klos und Waschbecken sind dann geputzt, Betten gemacht, der Geschirrspüler ist ausgeräumt, die Küche aufgeräumt, gesaugt und gewischt. Die Waschmaschine läuft. Dann stürze ich mit den Hunden in den Wald, sause zurück, schwinge mich aufs Rad oder ins Auto – zum Rückensport, Einkaufen oder zu sonstigen Terminen. Ständiger Zeitdruck lastet auf meinen Schultern, denn um halb zwei muss das Essen auf dem Tisch stehen.

# Ich wäre dann gern mal weg…

Manchmal finde ich es schrecklich schade, dass ich nicht mehr außerhalb arbeite. Zum Beispiel, wenn meine nebenan wohnende Mutter reinschneit und irgendetwas von mir will. Oder es ganz selbstverständlich findet, dass ich sie vormittags zum Arzt oder zum Friseur bringe, während sie sich doch locker ein Taxi leisten könnte – und massenhaft Zeit hat, die mir chronisch fehlt. Außerdem wird auch gern der Mittagstisch in der Casa filia angenommen. Dass ich manchmal vor lauter Zeitmangel, aber durch meinen Anspruch, frisch und gesund zu kochen, ganz schön unter Druck stehe, fällt meiner Mutter nicht auf. Schließlich hat sie das früher auch alles für uns gemacht. Dass sie aber nur ein Kind und keinen Job hatte, hat sie wohl vergessen. Wie sehr würde ich mich freuen, wenn sie, die sonst absolut nichts zu tun hat, wenigstens ab und zu mal Kartoffeln schälen könnte. Oder den Tisch decken.

Ach ja, das sind schon Momente, in denen ich gern mit meinen Kolleginnen zusammen die Mittagspause genießen würde.
Oder wenn diese Horroranrufe aus Schule und Kindergarten kommen. Sie beginnen immer mit folgenden Worten: »Bekommen Sie jetzt keinen Schreck!« Sehr lustig. Papa im Großstadtbüro bekommt nie solche Anrufe. Immer nur im Nachhinein von mir die Info, wenn die Wunden bereits genäht, die Tränen getrocknet und persönliche Schockzustände verwunden sind.

# Zu Hause ist es am allerschönsten, wenn…

Aber wenn mein Kleiner nach der Schule vor der Tür steht und ich ihm sofort ansehe, dass etwas nicht stimmt, er sich in meine Arme wirft und losschluchzt, weil er im Schulbus oder auf dem Pausenhof geärgert worden ist, dann bin ich froh, dass ich zu Hause bin.

Oder die Große schwer übellaunig nach Hause geradelt kommt, und erst einmal loswerden muss, wie blöd und unverschämt Fußgänger sind. Manchmal hat sie auch gute Laune und berichtet, was Max wieder Ulkiges im Unterricht angestellt hat oder wie sie den Mathelehrer ausgesperrt haben.

Solche Momente sind unbezahlbar und bleiben als wohligwarmes Gefühl im Herzen. Oder wenn meine französische Freundin mit Sohn und Kerl mittags mit uns am Tisch sitzt und südländisches Temperament durchs Haus weht und geplappert, geschnattert und gelacht, manchmal auch musiziert wird. Dann finde ich es einfach wunderbar, dass ich zu Hause bin.

Claudia Stieglmayr

Leib-und-Seelen-SPEISE

#Vom hektischen Familienalltag, schlauer Planung und köstlichem Essen

Der Alltag mit Kindern ist oftmals stressig. Was soll Mutti also tun, um trotz aller Hetzerei mittags eine gesunde und ausgewogene warme Mahlzeit auf den Tisch zu stellen, wenn die Kinder hungrig aus der Schule kommen und sie selbst vielleicht erst kurz vor ihnen daheim ist?

#Die perfekte Speisekarte

Zunächst einmal ist eine gute Planung das A und O. Am besten nimmt man sich am Freitag eine halbe Stunde Zeit und plant die Speisekarte für die kommende Woche, aus der sich dann automatisch die Einkaufsliste ergibt. Wenn die gesamte Familie mitmacht – vielleicht bei Kakao und Keksen –, können auch individuelle Wünsche berücksichtigt werden, und jeder bekommt mal sein Lieblingsessen auf den Teller.

Rezepte herauszusuchen ist heutzutage kinderleicht, im Internet gibt es diverse Seiten wie etwa »Chefkoch« oder »Kochbar«. In den meisten Haushalten ist auch mindestens ein Kochbuch im Bücherschrank vorhanden. Ich persönlich nutze beides. Ich schätze den Vorteil der schnellen Verfügbarkeit im Internet, wenn man ein ganz konkretes Rezept sucht oder ein paar Zutaten schon zu lange im Kühlschrank wohnen und verkocht werden sollen, ehe sie verderben. Aber gleichzeitig liebe ich es sehr, mir meine Kochbücher zu schnappen, darin zu blättern und mich inspirieren zu lassen.

#Meine Lieblingskochbücher von Gräfe und Unzer (GU)

Zu diesem Zweck nutze ich vorwiegend die Kochbücher von Gräfe und Unzer (GU). Sie zeichnen sich durch ihr ansprechendes und modernes Design aus, die Rezepte verlangen nicht zu viele einzelne Zutaten und sind übersichtlich erklärt. Überdies benötigt man keine virtuosen Kochkünste. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages werden an dieser Stelle von mir nachgekochte und für gut befundene Rezepte von Gräfe und Unzer vorgestellt – mit meinen Fotos, Verweis und Verlinkung zum Buch.

Diese sogenannten Affiliate-Links findet Ihr unter den einzelnen Artikeln. Wollt Ihr also das entsprechende Buch kaufen, klickt Ihr einfach auf den entsprechenden Amazon-Button. Dann bekomme ich ein paar Cent Provision, wobei Euch natürlich keine Extrakosten entstehen.

#BRING!

Jetzt geht es ans Einkaufen. Am besten nutzt Ihr für die Einkaufsliste eine entsprechende App auf dem Smartphone, denn das Handy begleitet uns zumeist überall hin, sodass die Einkaufsliste immer dabei ist, falls zwischendurch ein winziges Zeitfenster für den Einkauf entsteht. Das ist superpraktisch, und das Ärgern über den daheim auf dem Tisch liegenden Einkaufszettel entfällt. Ich nutze die App »Bring!« Diese App hat neben diversen Listen, die man erstellen kann, auch den Vorteil, dass mehrere Personen sie gleichzeitig einsehen können. So hat auch Papa auf dem Heimweg von der Arbeit die Chance, für die Familie das aktuell Benötigte zu besorgen, und die Ausrede »Ich wusste ja nicht, was…« zieht nicht mehr.

Inzwischen habe ich ziemlich viele Karten von Drogerien, vom Tierbedarfshandel, von Apotheken und was weiß ich noch gesammelt. Mit »Bring!« habe ich diese Karten eingescannt, sodass mein Portemonnaie nicht mehr aus allen Nähten platzt, was ich ziemlich praktisch finde.

Ideal und insgesamt zeit- und geldsparend ist ein Wocheneinkauf, wenn man den entsprechenden Speicherplatz im Kühlschrank hat. Das hat für mich persönlich den unschlagbaren Vorteil, dass ich nur einmal in der Woche in Versuchung komme, Dinge zu kaufen, die nicht auf der Liste stehen (Schokolade und so…).

#Es kann losgehen!

Jetzt ist alles im Haus, und der Kochspaß kann losgehen. Seit ich nicht mehr noch am späten Vormittag darüber grüble, was ich kochen soll (es ist sogar vorgekommen, dass ich schon Zwiebeln und Knoblauch in der Pfanne hatte und immer noch nicht genau wusste, was ich kochen werde!), bin ich auch viel weniger gestresst. Und das ist doch für Mütter das Allerwichtigste, es gibt schließlich zwischen »Aufräumen« und »Zähneputzen« tagtäglich reichlich stressende Themen.

Claudia Stieglmayr

Bitte recht freundlich!

Peanut am Wegesrand

Unser Hundegang heute war überraschend erfreulich. Sonntags sind recht häufig hundelose Menschen im Wald unterwegs, wir nennen sie scherzhaft „Illegale“. Illegale sind ganz oft sehr schlecht auf Hunde und deren Halter zu sprechen, grundsätzlich übellaunig und reagieren entsprechend offensiv-aggressiv. Das ist schade, aber nicht zu ändern. Ich bin freundlich zu allen. Das ist gut so und bleibt auch so.

Wann immer Peanut, Musha (meine Europäischen Schlittenhunde) und ich solchen Illegalen im Wald begegnen, stellen wir uns an den Wegesrand, und die Hunde setzen sich auf Handzeichen neben mich, damit die Passanten unbelästigt und angstfrei passieren können. Damit wollen wir – also ich – ein Zeichen setzen, ein bisschen gegen den schlechten Ruf der Hundehalter arbeiten und für gegenseitige Rücksichtnahme werben. Und auf Fragen auch gern erklären, »Warum Hunde Radfahrer und Jogger jagen«.

Bestenfalls verlaufen solche Begegnungen also schweigend, außer mir grüßt keiner freundlich mit »Moin«, mir wabern mürrische Blicke aus missbilligenden Gesichtern entgegen. Aber heute war es anders!

»Die sind aber gut erzogen!«, sagte der Vater der vierköpfigen Familie mit zwei kleineren Kindern und lächelte mir zu. Wenig später kam mir ein hundeloses älteres Paar entgegen, bedankte sich für unser An-die-Seite-Stellen und krönte diese Begegnung mit: »Die sind aber brav!« Einen Kilometer weiter trafen wir eine weitere wandernde Familie. »Wir sind ganz entspannt mit Hunden«, sagte der Vater, »aber trotzdem danke.« Wenig später wurden wir von einem Jogger überholt, weitere Sonntagspaziergänger folgten. Sie alle bedankten sich und grüßten freundlich, und manche wechselten noch ein paar Worte mit mir. Ich war ganz beseelt.

Zum krönenden Abschluss der Hunderunde, ganz kurz vor unserem Zuhause, wich ich in eine Einfahrt aus, damit ein älteres Ehepaar passieren konnte. »Keine Angst, wir beißen nicht!«, rief der Mann und lachte mich freundlich an. »Wir auch nicht!«, gab ich zurück. »Meistens.«

Moin!

»Du brauchst einen Blog!«, hat meine Freundin mit Nachdruck gesagt. Das ist Monate her. Warum sie sich da so sicher war, hat sie nicht erwähnt. So ist sie. Sie sät die Saat, keimen muss sie von allein. Nun ist es so weit, jetzt blogge ich, und das hier ist mein allererster Beitrag, verbunden mit großem Dank an indigo-blau.de, an Andrea, die mich inspiriert hat und selbst die allerbeste Reiseblog-Seite betreut, die ich mir vorstellen kann. Klickt mal rein!



Herzlich willkommen!

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