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Das Leben ist keine »Roman-Stunde«, sondern »Meine Wahrheit«!

Keine Lust, selbst zu lesen? Ich lese dir den Beitrag vor!

»Frauen sind die Verliererinnen in der Krise, weil sie schon vor der Krise Verliererinnen waren.« Das sagte Prof. Jutta Allmendinger in einem Interview im Beitrag »Corona-Mütter, Teil 3« des ARD-Magazins »Kontraste«. Hätte Christine Finke (Mama arbeitet) das nicht über Facebook verteilt, wäre mir dieser Beitrag entgangen, denn zum Fernsehen habe ich als berufstätige Homeschooling-Mutter schon lange keine Zeit mehr.

Gerade kocht in mir die ganze Wut der vergangenen zwanzig Jahre hoch, denn dieser Beitrag hat mein Innerstes berührt – und mich traurig, aber auch unfassbar wütend gemacht. Ich möchte gern allen jungen Frauen von heute sagen: »Lasst das nicht mit euch machen! Seid euch eures Wertes bewusst und begeht nicht die Fehler der Generation vor euch!«

Ich habe mich so viele Jahre unter Wert verkauft und niemals wirklich den Mut gehabt, für meine Belange zu kämpfen. Die Quittung war folgerichtig ein überaus mickriges Gehalt, was zu einer noch mickrigeren Rente führen wird. Als ungelernte Karton-Schubserin im Lager der Diddl-Maus oder als Schulbegleiterin verdient Frau genau so viel oder mehr. Ich habe studiert, aber was nützt das, wenn mit diesem Pfund nicht gewuchert werden kann? Dummerweise habe ich nämlich meinen Abschluss nicht gemacht, obwohl ich doch fertig war mit dem Studium und nur noch die Magister-Arbeit und die mündlichen Prüfungen zu leisten gehabt hätte.

Mehrarbeit, sonst…!

Warum? Weil mein Chef mich mit, sagen wir, deutlichen Worten davon »überzeugt« hat, dass es arbeitsplatztechnisch besser für mich wäre, mehr Stunden zu arbeiten, anstatt mein Studium zu beenden. Das war 1999 und kam so: Ich arbeitete bereits seit einem knappen Jahr 25 Wochenstunden für diesen Verlag und schrieb an meiner Magisterarbeit. Dafür hatte mir der Verleger vollmundig seine Unterstützung zugesichert. Bis er die Idee hatte, zusätzlich zu der von mir betreuten Roman-Zeitschrift eine weitere auf den Markt zu bringen. Diese Zeitschrift sollte ich konzipieren.

So willigte ich also zähneknirschend ein. Statt eines Magistra-Abschlusses an der Uni bekam ich ein wertloses Zeugnis über ein Verlagsvolontariat im Groschenroman-Verlag. Das durfte ich immerhin selbst formulieren. Es ist hervorragend…

Voller Einsatz für – NICHTS!

Rumjammern nützt gar nix.

So habe ich also bis zur Geburt meiner Tochter in 2005 unterbezahlt vor mich hin gearbeitet. Immerhin durfte ich ab 2000 meinen Hund mit ins Büro nehmen. Und einen Parkplatz vor dem Verlagshaus hatte ich auch. Zugesichert wurde mir ebenso die Leitung der Redaktion, als Kolleginnen kamen und mehr Zeitschriften produziert wurden. Das war allerdings die erste von vielen weiteren Enttäuschungen, die ich »verknusen« musste, wie der Hamburger sagt. Denn die Leitung erhielt jemand anderes.

Dass ich trotz Arbeitsverbotes während meiner ersten Schwangerschaft von daheim gearbeitet habe, damit meine Zeitschriften pünktlich erscheinen konnten, hat mir weder ein Dankeschön eingebracht noch eine Glückwunschkarte zur Geburt. Ach, und dass ich selbstverständlich diejenige gewesen bin, die drei Jahre zu Hause geblieben ist, ergab sich folgerichtig aus den drastisch unterschiedlichen Einkommen unseres Haushaltes.

Dann kam 2009 unser Sohn zur Welt. Um meinen Job nicht zu gefährden, habe ich auf zwei von drei Jahren Elternzeit verzichtet. Wie dumm! Seither arbeite ich in Homeoffice, meine Arbeit besteht nurmehr ausschließlich aus Korrektur und Satz, meine Vielseitigkeit liegt ungenutzt brach. Und seit vielen Jahren versuche ich verzweifelt, in die Vollzeit zurückzukehren. Ohne Erfolg. Herzlichen Glückwunsch.

Trotz allem war ich während jedes Urlaubs stets für meine Kolleginnen erreichbar, und vor zwei Jahren habe ich sogar vollständig auf Urlaub verzichtet, weil es mit dem Vorarbeiten anders nicht hingehauen hätte. Eine Traum-Arbeitnehmerin war ich über zwanzig Jahre lang. Fleißig, loyal und stumm. Schön blöd.

Zuschuss für das Homeoffice? Fehlanzeige.

Nicht einen Cent habe ich für die Einrichtung der Homeoffice vom Arbeitgeber erhalten.

Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass ich mein Homeoffice zwölf Jahre lang komplett selbst finanziert habe. Mir wurde weder ein PC noch Software oder ein Drucker oder Papier oder Toner oder oder oder zur Verfügung gestellt. Rien, niente, nada: gar nichts. Nachdem mein reales Einkommen seit Jahren sinkt, die Lebenshaltungskosten aber steigen, habe ich noch einen Vorstoß gewagt. Auf die schüchterne Anfrage, ob es nicht möglich wäre, dass der Verlag zumindest einen kleinen Teil der Kosten übernehmen könnte, erhielt ich nur die lapidare Antwort, dass ich ja schließlich schon reichlich vom Homeoffice profitierte, indem ich Fahrkosten sparte. Dankeschön.

So schrumpft Jahr für Jahr mit sinkendem Gehalt auch meine Begeisterung für diesen Job, der zum reinen Broterwerb verkommen ist. Statt euphorisch-verklärt Corporate Identity zu leben, übernimmt mehr und mehr der nüchterne Verstand die Regie. Wie schön, dass man im Bundesanzeiger (www.bundesanzeiger.de) die Bilanzen seines Arbeitgebers verfolgen und deutlich erkennen kann, wann das Schiff zu sinken beginnt. Ich wäre wahnsinnig gern die allererste Ratte gewesen, die es verlässt. Aber auf mein Angebot am 27. Mai dieses Jahres, meinen Arbeitsplatz gegen eine Abfindung zur Verfügung zu stellen, ist mein Chef leider nicht eingegangen.

Und dann kam Corona

Die Vorteile der Corona-Krise nutzend, wurden im Mai 2020 Teile der Belegschaft lohnkostensparend in Kurzarbeit geschickt, vorgeblich um Arbeitsplätze zu sichern. Interessanterweise ist der Arbeitsanfall zumindest im Lektorat nachweislich keineswegs geringer: Zeitschriften und Heftromane haben keine Seite weniger, noch immer sind bestimmte Objekte an eine Agentur ausgesourct, 450-Euro-Kräfte wurden nicht eingespart.

Mein Gehalt wurde über den gesamten Mai auf Kurzarbeitergeld gekürzt, obwohl der Vertrag am 13. Mai rückwirkend zum 11. Mai geschlossen wurde (erhalten habe ich ihn erst am 15. Mai – nach zwei bereits in vollem Stundenumfang gearbeiteten Wochen). Ob das alles rechtlich einwandfrei ist, wird gerade von der Bundesagentur für Arbeit und von ver.di geprüft. Immerhin wird das Kurzarbeitergeld von UNSEREN Arbeitslosenbeiträgen gezahlt, von der Gemeinschaft also.

So schrecklich die Corona-Krise auch ist, umso erfreulicher ist eine Entwicklung innerhalb unserer Belegschaft: Es treten aktuell immer mehr Kolleg*innen in die Gewerkschaft ein! Bald sind es genug, um einen Betriebsrat zu installieren. Denn obwohl es mehrere Dutzend Mitarbeiter*innen gibt, konnte seit mindestens 15 Jahren niemand den Mut aufbringen, einen solchen zu gründen.

Rezession oder Rezension?

Diese Entwicklung hat aber bedauerlicherweise wahrscheinlich viel zu spät eingesetzt. Vermutlich wird es für die knapp einhundert Mitarbeiter kein Happy End geben, wenn das Geld für die Gehälter der Belegschaft knapper wird. In 2018 mussten dafür immerhin gut 3,5 Millionen Euro aufgebracht werden. Frustrierenderweise ist jedoch im Gegenzug der Betrag, den sich die wenigen Kommanditisten eingestrichen haben, von 1,3 Millionen in 2017 auf gute 1,5 Millionen in 2018 gestiegen. Davon lässt sich tonnenweise Fertig-Brühe kaufen. In Bio-Qualität. Aber zufriedene Mitarbeiter erzeugt dieses Missverhältnis eher nicht.

Ach ja, traurig ist diese Entwicklung schon. Aber wenn sich der Sohn des Verlegers öffentlich in einem TV-Format als »Verleger« himself präsentiert und einem Millionen-Publikum unfreiwillig offenbart, dass er den Unterschied zwischen »Rezension« und »Rezession« nicht kennt, dann nimmt es nicht Wunder, dass das Verlagshaus in eine wirtschaftliche Schieflage geraten ist. Immerhin hat der Gourmet bewiesen, dass er eine hervorragende Erbsensuppe mit Instant-Brühe zubereiten kann. Die Erbsen-Geschichte klingt zwar nach Groschenroman, ist jedoch nicht ausgedacht, sondern nachzuschauen beim Trash-Format »Das perfekte Dinner« bei Vox – und zwar genau hier. Keep it simple.

Wer sich ins Rampenlicht begibt, muss auch Buh-Rufe und Kritik aushalten. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Mein Fazit aus 22 Jahren Loyalität

Ich habe lange überlegt, ob ich meine Geschichte veröffentlichen soll oder nicht. Meine kluge Immer-Freundin Andrea vom Reiseblog www.indigo-blau.de hat mir davon abgeraten. »So eine Wut kostet Dich zu viel Energie, die du besser auf deine Zukunft verwenden solltest. Und eigentlich bist du ja nur wütend auf dich selbst.«

Das ist wahr. Ich bin sogar sehr wütend auf mich selbst. Stinksauer bin ich, dass ich vor lauter Feigheit in all den Jahren nicht ein einziges Mal ernsthaft aufgemuckt und für meine Rechte gekämpft habe! Ich habe im Gegenteil stets beide Hände vor die Augen gehalten 🙈 und gehofft, dass alles gut wird und man die Qualität meiner Arbeit und mein unermüdliches Engagement erkennt und schließlich auch honoriert.

Aber so etwas passiert eben nicht von allein. Es wird nur gut, wenn du es selbst gut machst. Dein Leben selbst in die Hand nimmst. Dir nicht alles gefallen lässt! Dass mein Arbeitsschiff zu sinken scheint, wird es mir erleichtern, zu gegebener Zeit ins Beiboot zu springen und das Ruder eigenhändig zu übernehmen. Inzwischen habe ich Pläne für meine Zukunft. Und ich werde ohne Groll und ohne Häme an meine Zeit im Verlag zurückdenken.

Mit diesen Zeilen habe ich mich meiner Wut entledigt und werde verfahren, wie Konfuzius es rät: »Erzürne nicht, setze dich ans Ufer des ruhigen Flusses und warte, bis die Leichen deiner Feinde vorbeitreiben.«

Ich möchte diesen Beitrag all denjenigen Frauen widmen, die am Anfang ihres Berufslebens stehen und alle Chancen haben, sich mit Verve und Engagement ein gleichberechtigtes und anständig bezahltes Dasein im Job zu erkämpfen. Ein Recht auf Rückkehr in Vollzeit gibt es für euch immerhin schon.

Claudia Stieglmayr

Ich schaue jetzt positiv in die Zukunft. Ich habe Pläne.

Wie kann man Wutanfälle vermeiden? Die sechs besten Tipps zur Selbstbeherrschung

Die Nerven liegen nach zwei Wochen Homeschooling und Homeoffice blank. Kein Wunder, denn viele Familien, vor allem jene in den Großstädten, hocken gerade in engen Wohnungen aufeinander, ein Albtraum, wenn man nicht mal einen Balkon hat. Allerorten plagen die Menschen auch Existenzängste und die Sorge um die Großeltern. Nichtsdestotrotz müssen aber Schulpensum und Arbeitsaufkommen bewältigt werden, Kindergartenzwerge wollen beschäftigt sein. Wenn man erschöpft ist, kriecht die Wut viel schneller in den Kopf, Kleinigkeiten lösen dann Explosionen aus. Wie aber kann man Wutanfälle vermeiden?

# Wie kann man Wutanfälle vermeiden?

Meine Familie und ich leben privilegiert in einer Kleinstadt, wir haben ein großes Haus mit Garten, jeder einzelne von uns hat gleich mehrere Rückzugsmöglichkeiten, der Wald ist nur ein paar hundert Meter entfernt, die Elbe ebenso.

Und trotzdem sind zumindest meine Nerven jetzt auch am Ende. Auf die Hunderunden werde ich nun öfter vom Filius begleitet, was ja eigentlich schön ist. Aber so wird die Zeit knapp, die eigentlich Meinezeit ist, die ich zum Regenerieren dringend brauche. Und ich merke auch, wie meine Geduld mit den Kindern immer schneller am Ende ist.

Es macht mich rasend, dass zum vierten Mal am Tag die Toastkrümel nicht beseitigt worden sind. Und warum müssen überhaupt so viele Trinkgläser benutzt werden? Kann nicht mal jemand die Spülmaschine ausräumen? Alltägliche Kleinigkeiten, die ich sonst mit müdem Lächeln erledigt habe, bringen mich jetzt regelmäßig zum Rumbrüllen. Kein Wunder, ich habe zwei 60-Stunden-Wochen mit Homeoffice und Homeschooling hinter mir. Und ich bin zu alt für diesen Scheiß. Nützt aber nix, wie wir alle wissen.

Dennoch: Es ist nicht verwunderlich, dass die Angst vor steigenden Zahlen häuslicher Gewalt in Zeiten von Corona und Social Distancing wächst. Wie kann man also Wutanfälle vermeiden? Ich habe ein paar Tipps zusammengetragen, die in Momenten helfen sollen, in denen die Nerven zum Reißen gespannt sind. Allesamt approved by Leib-und-Seele.

# 1. Achtsamkeit

Enorm wichtig ist es, die eigenen Grenzen zu erkennen. Wenn die Büchse der Pandora erst im Wutanfall geöffnet worden ist, ist es zu spät. Beobachte Dich, wie Du Dich kurz VOR dem Nervenverlieren fühlst. Dann kannst Du beim nächsten Mal in genau diesem Moment die Reißleine ziehen und die folgenden Tipps und Strategien anwenden.

# 2. Codewort

Meine Kinder und ich haben ein Codewort verabredet. Das soll immer dann gesagt werden, wenn jemand das Gefühl hat, die Situation eskaliert gerade. Unser Codewort ist »Rotkohl!« Ganz bewusst haben wir ein Wort gewählt, dass mit absoluter Sicherheit mit diesen Grenzsituationen nichts zu tun hat. Der Effekt: Wenn es von einem zarten Kinderstimmchen zaghaft gesagt wird, klingt es oft so grotesk, dass nicht selten ein unwillkürliches Grinsen die Lage massiv entschärfen konnte.

# 3. Atmen

In den Momenten vor der Explosion kann auch ganz bewusstes Atmen helfen. Tief ein und aus. Zur Grundtechnik des richtigen Atmens kann da sehr die Yoga-Übung »Sonnengruß« helfen. Die habe ich während einer Mutter-Kinder-Kur gelernt und mache sie oft gleich morgens nach dem Aufstehen. Prima Anleitungen natürlich auch zum Sonngengruß gibt es auf diesem Blog: www.yogabasics.de

# 4. Zählen

Eine altbewährte Methode ist auch das Zählen. Wahlweise bis zehn oder zwanzig, je nach Wutgrad. Das hat schon mein Vater so gemacht, wenn er sich über mich geärgert hat und mir am liebsten eine Ohrfeige verpasst hätte. Dann hat er im Geiste immer langsam bis zehn gezählt. Gehauen hat er mich nie.

# 5. Weggehen

Wenn es irgendwie möglich ist, geh raus aus der Situation, die zu eskalieren droht! Wenn Du nicht in Wald oder Fluss oder Feldmark eintauchen kannst, weil Du das Haus nicht verlassen darfst, gibt es auf jeden Fall eine Notlösung. In jeder auch noch so beengten Behausung wird es zumindest ein Klo geben, in dem Du Dich für fünf Minuten verbarrikadieren kannst. Dort kannst Du dann prima atmen und zählen – und die übrigen Familienmitglieder sind vor dir geschützt.

# 6. Staubsaugen

Nicht jeder wird zu Hause einen Box-Sack haben, der hemmungslos verprügelt werden darf. Aber womit jeder Haushalt ausgerüstet ist, ist ein Staubsauger. Ich habe auch keinen Box-Sack (wünsche ich mir zum 50.), aber natürlich einen Staubsauger. Und ich habe festgestellt, dass meine Wut sich durch aggressiv-intensives Rumrubbeln mit der Bodendüse auf Holz, Fliesen und Teppich (Teppich ist besonders gut) nach wenigen Minuten verflüchtigt hat. Auch durch Putzen kann man Wutanfälle vermeiden.

# Zu guter Letzt

Nicht jeder dieser Tipps wird immer und in jeder Situation funktionieren, das kann ich aus leidvoller Erfahrung sagen. Natürlich ist der Geduldsfaden manchmal einfach dünn und reißt. Ab und zu merke ich auch nicht, dass ich den Point of no return überschritten habe, weil ich nicht achtsam war*. Und selbstverständlich darf man mit den Kindern auch mal rumbrüllen, wir sind alle nur Menschen. Aber es muss immer klar sein, dass es um die Sache und nicht um die Person geht.

Einmal musste die beste Freundin meiner Tochter so einen Wutausbruch miterleben. Den Anlass habe ich vergessen, aber ich war sehr laut, das weiß ich noch. Als die Mädels zehn Minuten später vorsichtig um die Ecke spähten und ich sie freundlich ansprach, drehte sich meine Tochter zu ihrer Freundin um und sagte: »Hab ich dir doch gesagt. So ist sie, meine Mutter.«

Claudia Stieglmayr

*zum Thema Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung habe ich auch schon einen Beitrag geschrieben.

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