Wie man einen riesigen Riss in einer gefütterten Jacke flicken und die Klamotte gleichzeitig zum Unikat mit Erinnerung machen kann, zeige ich Euch in diesem Beitrag. Mit ein klein wenig Näherfahrung geht das ganz fix.
Ich liebe meine Hunde, besonders den schwarzen. Das ist Musha, mein Seelenhund. Musha ist immer gut gelaunt und achtet sehr auf »Mutti«. Wenn ich aus lauter Lebensfreude bei der Hunderunde in einen Zuckeltrab verfalle, dann hopst die neunjährige Europäische Schlittenhündin begeistert neben mir auf und ab und piekt mit der Schnauze gegen meine Schulter. Manchmal gnapst sie auch aus überbordendem Übermut in meine Klamotte… Das ist auch vor einigen Tagen so geschehen. Ich hatte meine Lieblingswinterjacke an – das ist übrigens diese hier.
Und das Ergebnis des Übermuts: Musha ist wohl mit einem Zahn in einer Stifthalter-Schlaufe (wozu braucht man sowas überhaupt?) an meiner linken Schulter hängengeblieben und hat einen riesigen Riss verursacht. Boah, was war ich sauer!
Und dann auch noch so eine schwierige Stelle; die Jacke ist ja gefüttert! Ich sah mich schon diverse Euro beim Schneider lassen, da hatte ich eine grandiose Idee: Ich würde aus dieser Jacke ein Unikat machen!
# Upcycling!
Mir fiel mein Lieblingsstoff ein, von dem ich noch Reste hatte. Aus diesem Stoff hatte ich vor neun Jahren das Einschulungskleid meiner Tochter genäht, und natürlich sind liebevolle Erinnerungen daran geknüpft. Perfekt!
Dann habe ich einen reichlich großen Streifen davon abgeschnitten und zur Probe in den Riss gestopft und grob geheftet. (Das kann man sich übrigens sparen, wie mir im Verlauf der Arbeit auffiel.) Ich habe absichtlich weißes Nähgarn genommen, damit man es auf den Bildern gut sehen kann.
Die fransigen Kanten des Risses habe ich zunächst schmal umgeknifft und im Steppstich versäubert, damit sie nicht weiter ausfasern.
Dann habe ich den Stoff mit dem Blindstich in den Riss eingenäht. Hat nicht lange gedauert, nix gekostet und sieht interessant aus. Ich find’s super.
# Blindstich, Leiterstich, Zaubernaht
Weil ich ihn so selten verwende, mache ich immer ein und denselben Fehler: Ich steche von innen nach außen in den Stoff. Und wundere mich dann, dass die Naht so überhaupt gar nicht unsichtbar ist. Also: Das Wichtigste ist, die Nadel von AUSSEN in den Stoff einzutauchen.
Eine tolle Beschreibung zum Leiterstich (oder Blindstich, Zaubernaht) findet Ihr auf der Seite von Shesmile.de und zwar genau hier! Und hier noch der Link zu ihrer Videoanleitung zum Leiterstich. Vielen lieben Dank dafür!
Die Halbjahreszeugnisse sind verteilt worden. Und nun ist es bald wieder so weit: Im Anschluss wird zum gefürchteten Elternsprechtag gebeten. An diesem Tag haben Lehrer und Eltern die Möglichkeit, miteinander zu sprechen, um Leistung, Stärken und Schwächen des Kindes einzuordnen. Dieses Gespräch ist für beide Seiten wichtig. Also nutzen Sie diese seltene Gelegenheit unbedingt, um zumindest mit dem Klassenlehrer/ der Klassenlehrerin zu sprechen, selbst wenn die Noten eigentlich ganz in Ordnung sind.
# Wie es damals war
Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Mutter diese Sprechtage völlig überflüssig fand und nie hingegangen ist. Sie fand alle Mütter (damals waren es hauptsächlich Mütter, die sich um Schulbelange kümmerten) total bescheuert, dass sie die Mühe auf sich genommen haben, sinnlose Gespräche mit bösartigen Lehrer*innen zu führen. Die Lehrer sitzen immer am längeren Hebel.
Diese Einstellung hatte ich übernommen, ohne sie zu hinterfragen, bis ich selbst Mutter von Schulkindern war. Tatsächlich stellte sich während der Grundschulzeit die Frage, OB man hingeht, überhaupt nicht. Das wurde schlicht erwartet.
Und auf der weiterführenden Schule? Da scheint sich einiges gewandelt zu haben, seit ich dort Schülerin war. Ist ja aber auch schon Jahrzehnte her, wäre schlimm, wenn alles noch wie früher wäre.
# Der Lehrer, das bekannte Unwesen? Schnee von gestern!
Heutzutage ist es tatsächlich so, dass Lehrer darum bemüht sind, GEMEINSAM mit den Eltern nach Lösungen zu suchen, wenn es in einem Fach Probleme gibt. Für die Kinder ist das hilfreich! Zu wissen, dass Eltern und Lehrer*innen an einem Strang ziehen, kommt gut an, sie fühlen sich unterstützt und nicht ausgeliefert. Die Erkenntnis: »Das hat Lehrer XY auch gesagt!« bewirkt Wunder.
Also: Gehen Sie hin! Wenn die Zeit knapp ist, statten Sie wenigstens dem Klassenlehrer oder der Klassenlehrerin einen Besuch ab. Wenn Sie Fragen haben, ist es wichtig, offene Fragen zu stellen. Fragen, auf die mit Ja oder Nein geantwortet werden kann, führen nicht zu gewünschten Erkenntnissen.
Ich habe im Folgenden einmal die wichtigsten Frage aufgelistet
# Die 10 besten Fragen für den Elternsprechtag
Zu Beginn eines solchen Gesprächs hat üblicherweise der oder die Lehrende das Wort und wird von sich aus die relevanten Themen ansprechen. Ob danach noch Fragen ungeklärt sind, entnehmen Sie der folgenden Checkliste.
1. »Welche Art der Unterstützung braucht mein Kind in Ihrem Fach und wie kann ich sie leisten?«
Mit dieser Frage signalisieren Sie schon gleich, dass Ihnen Probleme bewusst sind und Sie auf jeden Fall bereit sind, Hilfe zu leisten, sofern Sie in der Lage dazu sind. Oft spricht ja auch die Zeugnisnote eine klare Sprache.
2. »Wie sehen Sie das Potenzial von XY?«
Das ist eine ganz gemeine Frage für einen Lehrer. Die Antwort darauf gibt Ihnen aber schon Hinweise, ob er oder sie Ihr Kind überhaupt schon ehrlich eingeschätzt hat. Manchmal wird nämlich auch die schlechtere der beiden möglichen Noten gegeben, um den Ehrgeiz des Kindes zu wecken, sich zu verbessern.
3. »In welchem Fall wäre eine andere Schule für XY die bessere Wahl?«
Jetzt muss der Lehrer oder die Lehrerin Flagge zeigen. Denn das ist vermutlich die zentrale Frage, die während der Zeugniskonferenzen im Kollegium bei schwächeren Schüler*innen besprochen wird. Man darf auf die Antwort gespannt sein.
4. »Wie können wir zusammenarbeiten?«
Signalisieren Sie Kooperationsbereitschaft. Das kommt immer gut an. Eltern, die immer nur die Schuld beim Lehrkörper suchen, sind eine unerfreuliche Angelegenheit. Ein aus dieser Frage resultierendes Gespräch kann sehr fruchtbar sein und viele Ideen erzeugen.
5. »Wenn XY Ihr Kind wäre, was würden Sie tun?«
Ich finde das die beste Frage in diversen Lebenslagen überhaupt. Weil man den Lehrer damit von seinem Profi-Status herunterholt und ihn als Privatmensch befragt. Das entbindet von Pflichten und gibt dem Lehrer als Privatperson das Recht, seine wirkliche Meinung zu sagen.
6. »Wie ist der Notenspiegel der Klasse?«
Eltern haben ein Recht darauf, für jede Klassenarbeit den Notenspiegel zu erfahren. Das ist oft hilfreich, um die Leistungen des eigenen Kindes innerhalb der Klasse einzuordnen. Fragen Sie danach!
7. »Wie verhält sich mein Kind allgemein im Unterricht und in der Klassengemeinschaft?«
Oftmals verhalten sich Kinder nämlich gaaaaanz anders in der Schule, als wir Eltern so denken. Eine Lehrerin meiner Tochter hat mal bei einem Elternabend gesagt: »Sie sind alle herzlich eingeladen, unseren Unterricht zu besuchen. Aber glauben Sie nicht, dass Ihr Kind sich dann so verhält wie an den übrigen Tagen.«
9. »Welche Lücken hat mein Kind, die wir zu Hause schließen könnten?«
Manchmal schleppt das Kind noch kleinere oder größere Lücken aus der Grundschulzeit mit sich herum, die Sie zu Hause durch Üben schließen können. Fragen Sie die Lehrer: Wie gut sitzt das Einmaleins? Klappt das Kopfrechnen? Sind Fachbegriffe wie Nomen, Adjektiv und Verb bekannt?
10. »Was kann im Unterricht geschehen, um Konzentration und Leistungsfähigkeit meines Kindes zu verbessern?«
Manchmal ist ein schlichtes Umsetzen in der Klasse schon ausreichend, um ein Aufmerksamkeitsproblem in den Griff zu bekommen. Haben Sie nämlich ein Kind, dass zwar dem Unterricht folgen möchte, sich aber leicht vom Klassenclown ablenken lässt (und dann auch gern mitmacht), kann ein Platzwechsel Abhilfe schaffen.
# Wie geht es weiter?
Und nach dem Elternsprechtag? Reden Sie mit Ihrem Kind über die Gesprächsinhalte. Und planen Sie gemeinsam Strategien, wenn es irgendwo in einem Fach (oder mehreren) hakt.
Eine tolle Idee ist es auch, mit dem Kind gemeinsam einen Vertrag aufzusetzen, etwa über wöchentlich eine gemeinsame Übungsstunde in Mathe oder Englisch.
In so einem Vertrag verpflichten sich beide Parteien, regelmäßig und zuverlässig und ohne Murren an der Übungsstunde teilzunehmen. So ein Dokument empfinden Kinder als wichtig und fühlen sich ernst genommen in ihren Pflichten, aber auch in ihren Rechten!
Mein Artikel über die »Terrorists of Beauty« hat mich neugierig gemacht. Ich wollte einfach mal ausprobieren, ob man nicht auch flüssige Seife selbst herstellen kann. Hätte ich gewusst, wie einfach das ist, hätte ich das längst schon mal in Angriff genommen. Dieser Blog-Post enthält Werbung.
# Zutaten
Kernseife, 25 Gramm Ich hatte diese hier: Dalli Kernseife*, leider habe ich übersehen, dass sie Palmöl enthält. War aber leider die einzige Kernseife, die in der örtlichen Drogerie verfügbar war. Für weitere Seifenexperimente würde ich die Kernseife von Wasserrose®* nehmen. Die ist frei von Duftstoffen, ohne Palmöl, ohne EDTA und obendrein auch noch in Deutschland hergestellt.
Wasser 500 ml
Kokosöl 1 TL (ich habe kaltgepresstes Öl in fester Form genommen)
Schüssel, Rührbesen, Trichter
Glycerin Braucht man nicht unbedingt, aber wenn die Seife zusätzlich pflegend sein soll, dann kann man es hinzufügen. Ich hatte Organic Vegetable Glycerin* drin, fühlt sich super an und wirkt rückfettend.
Parfüm nach Wahl Ich habe für meine Seife ein Paar Tropfen meines allerliebsten Lieblingsdufts L’eau d’Issey* verwendet.
Seifenspender Ich habe mir fürs Bad einen Spender aus Keramik* zugelegt, weil ich Plastik natürlich vermeiden wollte. In der Küche habe ich einen Seifenspender von WMF*, den ich gleich mit meiner Seife befüllt habe.
# So wird’s gemacht
Um 500 ml flüssige Seife selbst herstellen zu können, muss man 25 Gramm Kernseife abraspeln. Ich habe dafür meine ganz normale Küchenreibe* benutzt.
500 ml Wasser im Wasserkocher* zum Kochen bringen und über die Seifenraspel gießen.
Mit dem Rührbesen* kräftig rühren, bis die Seifenflocken sich aufgelöst haben.
Wenn die entstandene Emulsion etwas abgekühlt ist, das Kokosöl einrühren.
Jetzt einfach stehen und weiter abkühlen lassen, immer mal wieder umrühren.
Ganz zum Schluss das Glycerin und das Parfum einrühren.
Mit einem Trichter* die fertige Seife in den Seifenspender füllen.
Claudia Stieglmayr
* Werbelinks zu Produkten, die ich selbst verwende und von deren Qualität ich überzeugt bin.
Wer mich kennt oder mir jemals beim Spaziergang begegnet ist, der weiß, dass ich großen Wert darauf lege, dass meine Hunde niemanden belästigen oder gar gefährden. Ich rufe sie ran, stelle mich an den Wegesrand, lasse die Hunde absitzen oder leine sie an, je nach Situation, darüber kann man auch hier lesen. Im Wald und in der Feldmark dürfen meine Hunde die Wege nur in Ausnahmefällen verlassen, mir liegen die Waldbewohner am Herzen.
Mir ist durchaus bewusst, dass ich öfter mal eine Ordnungswidrigkeit begehe, wenn ich Peanut und Musha mancherorts trotz Leinenpflicht frei laufen lasse. Nun, kriminelles Potenzial schlummert offenbar sogar in mir; ich fahre tatsächlich innerorts manchmal schneller als 50 km/h, kirschgrüne Ampeln habe ich auch schon erblickt und Schwarzparken ist mir ebenfalls nicht fremd. Ich nenne das alles »kalkuliertes Risiko«. Bezogen auf die Hunde heißt das: Ich bin mir sehr sicher, dass ich meine Renntiere unter Kontrolle habe. Fast immer.
# Kennt jeder Hundebesitzer: »O-Scheiße-Momente«
Meine Hunde sind in witziger Stimmung und zetteln ein Rennspiel an, das mir zu weit geht. Enthemmt toben dürfen sie nur genau hier am Waldrand, weil ich dort weit sehen kann und praktisch nie Rehe unterwegs sind. Peanut und Musha sind etwa 30 Meter von mir entfernt, ich pfeife sie, sie reagieren sofort und stürmen auf mich zu. Ich kann sehen, wie Peanut im vollen Lauf den Hals reckt, hinter mir muss etwas Interessantes sein.
Während ich mich schnell umdrehe und SCHEISSE! denke, sehe ich noch, wie ein Radfahrer (zum Glück kein Reh!) an der Kurve umdreht und losfährt. Währenddessen rasen die Hunde an mir vorbei und lassen sich auch durch Pfiff und Ruf nicht stoppen. Doch schon nach zwanzig Sekunden sind sie wieder bei mir.
Ich bin mordsmäßig sauer auf die blöden Köter, auch wenn ich genau weiß, dass sie dachten, sie hätten meinen Mann gesehen. Den treffen wir nämlich häufiger mal im Wald, wenn er mountainbikt. Trotzdem: ICH habe gepfiffen, sie sind durchgegangen! An jeder anderen Stelle im Wald hätte ich weder erlaubt, dass die Hunde sich so weit von mir entfernen noch dass sie so schnell rennen, weil ich weiß, wie blitzartig diese beiden in den Highspeed-Modus schalten können. Wären sie im Schritt neben mir gewesen, wären sie gar nicht erst gestartet.
Natürlich kenne ich als ehemalige Hundetrainerin und Verhaltensberaterin den Zusammenhang zwischen Bewegungsreiz und Jagen. (Lest dazu auch unbedingt meinen Artikel »Warum Hunde Radfahrer und Jogger jagen«!) Daher weiß ich auch, dass meine Hunde den Radfahrer NICHT jagen oder gar beißen würden. Aber das weiß man ja nicht, wenn man die Hunde nicht kennt. Der arme Mann hat zumindest einen großen Schreck bekommen, hoffentlich hat er keine allzu große Angst vor Hunden.
# Salto Mortale
Natürlich will ich auf jeden Fall sichergehen, dass dem Biker nichts passiert ist, und gehe die gut 100 Meter bis zur Kurve zurück. Da kommt er mir schon –sein Rad schiebend – entgegen.
Ich rufe zweimal: »Ist Ihnen was passiert?« Der Mann sagt – zu Recht – etwas säuerlich: »Nein, aber das Rad ist schrott – hier! Ich habe mich überschlagen.« Während der schwarze Hund mit Sicherheit schon gewusst hat, dass eine Verwechslung vorgelegen hatte, war der weiße Hund vermutlich noch völlig hirnlos begeistert, unseren MacGyver zu fangen –, und hat den Radfahrer so angesprungen, dass dieser sich mit dem Rad überschlagen hat.
# Ist das Rad noch zu retten?
OMG! Jetzt bin ich fast dankbar, dass Hang und Kurve mir die Sicht auf das Drama versperrt haben. Ich schätze, Bilder von sich überschlagenden Radfahrern bekommt man nicht so leicht wieder aus dem Kopf.
Was haben wir nur alle für ein sagenhaftes Glück gehabt! Allen voran Maik* der sich ja sonstwie hätte verletzen können – Bäume, Betonsockel vom alten Zaun, Äste, Steine… Und dann ich, dass der Mountainbiker sich trotz seines Schocks wirklich freundlich verhalten hat. Und schließlich auch die Hunde, die ebenfalls ohne eine Schramme davongekommen sind.
Als ich mich nach den verbrecherischen Hunden umdrehe, sehe ich, dass sie 100 Meter hinter mir auf dem Weg sitzen. Sie hatten sich nicht getraut, mir zu folgen. Und nein, ich denke nicht, dass sie schuldbewusst waren. Sie haben lediglich bemerkt, wie wütend ich auf sie war, sodass sie lieber Abstand hielten.
Ich überzeuge den Mann davon, mich die 300 Meter nach Hause zu begleiten, wo der bereits informierte MacGyver wartet, um sich das kaputte Rad anzuschauen.
# Ende gut, Cyclassics gesichert
Dort ist man schnell beim freundlichen Du unter Bikern. Kurz darauf steckt Maik den Zettel mit unseren Kontaktdaten ein und fährt mit dem Mountainbike von MacGyver nach Hause.
MacGyver repariert das Unfallrad.
Am nächsten Tag kommt Maik mit seiner Frau zu uns zum Fahrradtausch, denn das Unfallrad ist bereits repariert. Und während MacGyver auch noch schnell das Bike von Maiks Frau blitzüberholt, toben meine Hunde entspannt im Garten. Ich beteuere nochmals, wie unsagbar leid mir das alles tut, und versuche, zu erklären, nicht zu entschuldigen.
Schließlich schnacken wir über Katzen, Kinder und gemeinsame Bekannte; und MacGyver verabredet sich mit Maik zum Rennradtraining für die Hamburger Cyclassics.
Claudia Stieglmayr
Peanut und Musha zeigen hier bei Weitem nicht alles, was sie an Speed drauf haben. Und trotzdem sind das hier satte 45 km/h Geschwindigkeit, mit der sie auf mich zulaufen.
# Wie zwei Hamburgerinnen die Kosmetikindustrie aufrütteln wollen
Natalie Richter und Mar Navajas Garcia sind angetreten, um die Schönheitsindustrie zu revolutionieren. »We can change the world with every shower.«
Neulich habe ich zufällig einen Beitrag im Regionalfernsehen im Hamburger Magazin »Rund um den Michel« gesehen, der mich ganz schön aufgerüttelt hat. Es ging dort um zwei Frauen – Natalie und Mar – in einer Zehner-WG im Hamburger Univiertel. Die WG-Bewohner warfen darin alle ihre Kosmetik- und Körperpflege-Artikel auf einen Haufen. Da kam extrem viel Plastik-Verpackung zusammen.
Nicht zuletzt durch Greta Thunberg sensibilisiert, fiel mir plötzlich auf, wie viel Plastik auch in unserem Haushalt noch immer anwesend ist. Dabei bin ich doch diejenige, die auf Tupper-Partys keinem Gastgeber wirklich Freude macht, weil ich schon immer lieber Glas, Holz und Metall in meiner Küche leiden mochte. Tatsächlich mehr aus ästhetischen als aus Naturschutzgründen, wie ich gestehen muss. Und dennoch hatte ich bislang kaum einen Gedanken an die – ja tatsächlich große! – Plastikmenge im Bad verschwendet!
# Nachhaltigkeit for future!
Die beiden Frauen aus dem Beitrag, Natalie Richter und Mar Navajas Garcia, wollten aber nicht nur Plastik aus ihrem Bad verbannen. Gleichzeitig schmiedeten sie bei einem Glas Rotwein den ehrgeizigen Plan, die gesamte Kosmetik-Industrie zum Umdenken zu bringen. Im Idealfall sollen alle Hersteller künftig nachhaltig produzierte Waren auf dem Markt anbieten.
Also gründeten die beiden Frauen Ende 2018 mit nur 8000 Euro ihr Start-up »Terrorists of Beauty«, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Zuvor hatten die beiden Gründerinnen in ganz anderen Bereichen gearbeitet. So hatte Natalie die Fruchtsaftmanufaktur leev in Hamburg gegründet. Und Mar war Community Managerin im Coworking-Space Mindspace.
# We can change the world with every shower.
Traditionell hergestellt…
…per Hand geschnitten…
…und verpackt
Die Fotos wurden zur Verfügung gestellt von Terrorists of Beauty.
We can change the world with every shower. Das ist der Slogan von Terrorists of Beauty. Vier verschiedene Seifen haben sie in ihrem Sortiment, das damit sämtliche Bedürfnisse der Verbraucher für Haut und Haar abdeckt.
Die Seifen bestehen aus natürlichen Zutaten, sind ohne Palmöl hergestellt, selbstverständlich plastikfrei verpackt, obendrein vegan und unisex. Sie werden Handarbeit hergestellt und anschließend unter sozialen und fairen Arbeitsbedingungen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung verpackt und plastikfrei und co2-neutral verschickt. Ein 100-Gramm-Stück Seife kostet 12,90 und hält im Schnitt zwei Monate.
Der Erfolg gibt Natalie und Mar recht: Seit der Gründung des Unternehmens vor gut einem Jahr haben die Beauty-Terroristinnen mehr als 30.000 Stück Seife verkauft. »Unser absoluter Bestseller ist Block 001«, verrät mir Natalie.
Die verrückteste Aktion, die sich die Gründerinnen ausgedacht haben, kann man in der Hamburger Mönckebergstraße bewundern. In einer nächtlichen Aktion haben die Terrorists of Beauty ein riesiges Plakat angebracht, um die Menschen im Weihnachts-Konsum-Wahn aufzurütteln. Weniger ist mehr!
# Weiterwaschen! Weiterwaschen!
Das gesamte Konzept hat mich total beeinduckt, und ich bin also gleich losgezogen, um mir bei Budnikowsky, einer Hamburger Drogeriekette, zwei der vier Seifensorten zu besorgen. Eine davon habe ich verschenkt, die andere direkt selbst ausprobiert.
Was soll ich sagen? Das erste Duscherlebnis war tatsächlich gruselig! Das hatte ich aber fast schon erwartet, davon wurde in dem Fernsehbeitrag auch gesprochen. Man muss dranbleiben und sich zum Beispiel daran gewöhnen, dass die Seife einfach nicht so sehr schäumt wie synthetisches Shampoo.
Natalie bestätigt meine Überlegungen und sagt zu diesem Problem: »Man muss Geduld mitbringen und sich bewusst machen, dass das ›Struppige‹ nicht die Seife ist. Sondern vielmehr die ganzen Altlasten von Shampoos, die in den Haaren stecken und jetzt erstmal raus- und abgewaschen werden müssen.«
# Was planen »Terrorists of Beauty« für 2020?
Wohin geht die Beauty-Reise in diesem Jahr, was haben die Terrorists of Beauty geplant? Wird das Sortiment erweitert werden? Vielleicht etwas mit natürlichem Duft für Schnuffeltiere wie mich?
»Es wird neue Produkte von uns geben, aber mehr können wir nicht verraten«, sagt Natalie Richter. »Auf jeden Fall wollen wir unser Upcycling-Projekt in Serie bringen und langfristig aus alten Shampoo- und Duschgelflaschen schöne, bunte und langlebige Seifenhalter machen.« Da werde ich bestimmt eine der ersten Kundinnen sein.
# DEAL! Hier ist die Seife erhältlich
In diesen Hamburger Budni-Filialen ist die Seife zu finden. Außerdem noch bei diesen Hamburger Einzelhändlern. Ansonsten können Seife und Seifenhalter online im Shop von Terrorists of Beauty bestellt werden.
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im Juli 2016, Februar 2017 und November 2018 geurteilt, sodass Millionen von Patientenverfügungen unwirksam sind. Es genügt nun nicht mehr, allgemein zu formulieren, dass man »keine lebensverlängernden Maßnahmen« wünscht! Man muss viel detaillierter vorgehen. Wie schreibt man eine Patientenverfügung? Man muss tatsächlich etwas Zeit, Arbeit und Konzentration aufwenden. Allein diese Tatsache bringt viele Menschen dazu, das Erstellen dieses wichtigen Dokuments vor sich her zu schieben. Das muss nicht sein!
Ich möchte hier behilflich sein und zeigen, dass der Aufwand gar nicht so riesig ist, wie man zunächst annimmt. Am Ende dieses Artikels befinden sich eine Checkliste sowie nützliche und informative Links. Patientenverfügung to go, sozusagen.
# Patientenverfügung – flott erstellt
Ich habe mithilfe des Online-Portals www.afilio.de meine Patientenverfügung erstellt. Das hat keine halbe Stunde gedauert und ist rechtlich wasserdicht. Afilio ist eine Plattform, auf der Privatpersonen kostenlos ihren Vorsorgebedarf ermitteln und rechtliche sowie finanzielle Vorsorgemaßnahmen treffen können.
Eine halbe Stunde ist nun wirklich nicht viel. Ich hatte angenommen, Stunden zu benötigen!
Was hat mich nur bislang davon abgehalten? Ich weiß es jetzt: Es sind Gedanken und Einflüsse. Googelt man »Patientenverfügung«, werden fast zwei Millionen Treffer angezeigt! Und beginnt man zu lesen, fallen Begriffe wie »kompliziert«, »komplex« und »juristisch«. Das allein ist ziemlich abschreckend. Davon abgesehen muss man sich mit dem eigenen Sterben beschäftigen. Da gibt es wahrlich schönere Freizeitbeschäftigungen.
# Wozu eine Patientenverfügung?
In einer Patientenverfügung bestimmt man, was medizinisch passiert oder unterlassen wird. Und zwar nur für den Fall, dass man selbst nicht mehr mit klarem Verstand aktiv entscheiden kann.
Dazu mag manche und mancher denken: Ist mir doch schnurz, was mit mir geschieht, wenn ich alt und bewusstlos bin und im Sterben liege. Nun, das ist vielleicht sogar richtig, aber was ist mit denen, die dann in meinem Sinne entscheiden müssen? Oder was ist, wenn ich noch jung bin, vielleicht sogar kleine Kinder zu versorgen habe? Ist es mir dann auch noch egal?
# Was passiert, wenn ich keine Patientenverfügung habe?
Hat jemand keine Patientenverfügung oder Betreuungs- und Vorsorgevollmacht erteilt, so muss im Ernstfall erst vom Betreuungsgericht ein Betreuer berufen werden, und dies nimmt dann unnötig viel Zeit in Anspruch. Außerdem entscheidet dann ein völlig Fremder über Maßnahmen. Es steht zwar geschrieben, dass auch »das gesprochene Wort« gilt, aber ganz ehrlich: Wäre ich Arzt, würde ich auch sicherheitshalber auf einer schriftlichen Verfügung bestehen, ehe ich am Ende noch verklagt werde.
# Ich musste für meine Mutter entscheiden
Wie schlimm es ist, in einer solchen Situation für einen geliebten Menschen bestimmen zu müssen, habe ich am eigenen Leib erfahren, als meine Mutter zehn Tage vor ihrem Tod ins Krankenhaus kam. Bereits zwanzig Tage vor ihrem Tod hatte sie eine Behandlung in der Klinik verweigert und damit ihr Todesurteil unterzeichnet (»Mama ist tot, und ich bin ihr böse.«). Dennoch war sie nicht bereit, eine Patientenverfügung zu gestalten, weil sie eigensinnig an ihre Selbstheilungskräfte glaubte. Das stürzte mich in tiefe Verzweiflung, denn wir hatten nie so konkret über einen solchen Fall gesprochen. Was, wenn ein Gericht jemand Wildfremdes einsetzte oder Ärzte allein entschieden? Reichte vielleicht die vorhandene Vorsorge- und Betreuungsvollmacht nicht aus?
# Moralisch richtig, aber illegal!
So habe ich mich also hingesetzt und mit Hilfe von Textbausteinen eine Verfügung für sie verfasst – nach bestem Wissen und Gewissen überlegt, was meine Mutter wohl wollen würde. Das Dokument habe ich ihr dann zum Unterschreiben untergejubelt, als sie ohnehin Papiere für die Krankenkasse unterzeichnen musste. Nachvollziehbar, aber natürlich illegal.
Als meine Mutter dann mit akutem Nierenversagen ins Krankenhaus eingeliefert wurde und ihr Bewusstsein so weit eingetrübt war, dass sie im Grunde nicht mehr ansprechbar war, kam dann auch von der Ärztin in der Notaufnahme die befürchtete Frage nach der Patientenverfügung. Ich zögerte kurz – und blieb dann doch bei der Wahrheit: »Ja, es gibt eine, aber sie weiß das nicht.«
Nun hatte ich das Glück, dass diese Ärztin – und auch später die Stationsärztin – mich in den zu treffenden Entscheidungen begleiteten, berieten und unterstützten, sodass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, etwas Unverantwortliches zu bestimmen. Aber bis heute bleibt ein letzter Zweifel an der Richtigkeit meiner Entscheidungen – im Sinne von: Hätte meine Mutter genauso entschieden?
# Meine Familie soll wissen, was ich will!
Ich möchte jedenfalls nicht, dass meine Liebsten in einer solchen Situation an meiner Stelle entscheiden müssen. Das ist eine der schwersten und schlimmsten Aufgaben meines Lebens gewesen. Meine Menschen sollen ein Papier in Händen halten, auf dessen Grundlage entschieden werden kann. Außerdem ist ja nicht gesagt, dass die Ärzte ohne Basis einer Verfügung überhaupt mit den Angehörigen sprechen. Meine Mutter war 83 Jahre alt und stand am Ende ihres Lebensweges, und es ging im Grunde nur noch darum, ihr ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. Das sieht beispielsweise bei einer 30-jährigen Mutter von drei Kindern nach einem Autounfall aber womöglich ganz anders aus.
Der schlimmste Fall, von dem ich im Laufe meiner Recherche gehört habe, war der eines jungen Ehemannes. Er hatte einen Autounfall und lag im Koma. Seine Frau wusste, dass ihr Mann eine Verfügung hatte und kramte sie hervor. Dort stand: Falls mir etwas zustößt, soll meine Frau alles entscheiden. Wie grausam!
# Inhalt – was muss in einer Patientenverfügung stehen?
Ihr seid hoffentlich spätestens in diesem Moment von der Notwendigkeit überzeugt, dieses Dokument für den Fall des Falles erstellen zu wollen. Dann gehen wir jetzt zum praktischen Teil über.
Wenn man eine Patientenverfügung verfasst, müssen einige Dinge beachtet werden, damit sie rechtlich unangreifbar ist:
Der Verfasser muss zum Zeitpunkt des Erstellens volljährig sein.
Man muss »einwilligungsfähig« sein und die Verfügung aus freien Stücken schreiben.
Eine Patientenverfügung muss in Schriftform vorliegen, ob sie per Hand oder am Computer geschrieben wurde oder über ein Formular erstellt worden ist, ist völlig egal.
Das Dokument muss den Namen des Verfügenden, das Datum und eine Unterschrift enthalten. Eine Beglaubigung durch einen Notar ist nicht notwendig.
In einer Patientenverfügung müssen die persönlichen Wertevorstellungen berücksichtigt werden und der Patientenwille muss »differenziert und widerspruchsfrei« dokumentiert sein.
# Wo bewahre ich meine Patientenverfügung auf?
Ganz wichtig ist außer dem Besitz einer Patientenverfügung, dass andere davon wissen! Es nützt gar nichts, wenn das Dokument in einem privaten oder Banksafe liegt oder unter einem Aktenstapel versteckt ist – und niemand weiß, ob und wo. Oder man weiß davon und kommt nicht dran! Man kann seine Verfügung auch bei der Bundesnotarkammer im Vorsorgeregister hinterlegen. Dann bekommt man eine Karte (Foto oben), die man im Portemonnaie mit sich führen kann. So ist in der Regel gewährleistet, dass im Falle einer Bestellung eines Betreuers über das Amtsgericht geprüft wird, ob es eine Patientenverfügung gibt. Hier geht es zum Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer.
Mein Tipp: eine Dreifach-Kombination aus Vorsorgeregister, Safe und einem Ort, der einigen vertrauenswürdigen Menschen aus dem Umfeld bekannt ist und auf den sie Zugriff haben. Außerdem: Alle paar Jahre mal durchlesen. Hat sich etwas an meiner Meinung oder der Lebenssituation geändert? Änderungen sind jederzeit möglich.
Es ist der Albtraum jedes Joggers und Radfahrers. Ein scheinbar herrenloser Hund kommt angerast und schnappt nach Leib und Seele des Menschen. Warum macht er das überhaupt? Und wie kommt es nur dazu, dass manche Hunde den Unterschied zwischen Mensch und Beute nicht kennen? In diesem Beitrag erkläre ich, was dazu führen kann, dass Hunde Jogger und Radfahrer jagen.
Kurz gesagt, gibt es zwei Gründe für Hunde, sich Jogger oder Radfahrer vorzuknöpfen:
1. Der Mensch wird als Passant des heimischen Grundstücks als Eindringling wahrgenommen und muss vertrieben werden. In diesem Fall kann es zu Bissverletzungen kommen, der Hund wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach dem vermeintlichen Eindringling nicht nach dem Leben trachten, er will nur, dass dieser verschwindet. Das ist übrigens auch der grundsätzliche Sinn aggressiven Verhaltens: den Abstand zu vergrößern.
2. Der Mensch wird nicht als Sozialpartner wahrgenommen, sondern als Beute. Das ist der gefährlichere Grund, denn das Jagen zielt naturgemäß aufs Töten ab. Den Zusammenhang zwischen Ballspiel und Jagen aufzuzeigen und zu erklären liegt mir schon seit vielen Jahren am Herzen.
# Heranwachsen des Hundes – die Ontogenese
Um das zu erklären, muss ich kurz auf die Entwicklung des Hundes eingehen. In verschiedenen sensiblen Phasen im Welpen- bis Junghundalter laufen prägeähnliche Prozesse ab, wichtige Verhaltensweisen werden gelernt, die hormonelle Reifung läuft parallel, bis das Tier geschlechtsreif und ausgewachsen ist.
Ein wichtiges Element, um verschiedenste Dinge zu erlernen, ist das Spiel. Spiel wird definiert als »soziopositive Interaktion« (= freundliches Miteinander) zwischen zwei Individuen, während derer es zum ständigen Rollentausch kommt. Am Beispiel vom Fangenspielen lässt sich das einleuchtend erklären. Mal ist der eine Jäger, mal der andere. Wenn man immer nur der Gejagte ist, verliert man bald die Lust und bricht das Spiel ab. So ist es bei Hunden und auch bei Kindern. Hält sich einer nicht an die Spielregeln, ist der andere beleidigt oder sauer oder rennt zu Mutti und heult.
Im Spiel werden also soziale Verhaltenselemente erlernt und geübt. Deshalb ist auch der Kontakt zu Artgenossen in diesem Alter so wichtig, und auch aggressives Verhalten, das Teil des ganz normalen Sozialverhaltens ist, muss unbedingt gelernt werden dürfen! Vermenschlicht gesprochen, heißt das: Auf eine freche Anmache sollte nicht gleich mit dem Messer zugestochen, sondern angemessen mit einem unfreundlichen »Lass mich in Ruhe!« reagiert werden.
# Jagdverhalten und Vermischung der Antriebe
# Erst schauen, dann schnappen!
Erst gaaanz am Ende der »Hundwerdung« ist das Jagen dran. Jagen gehört zum Funktionskreis des stoffwechselbedingten Verhaltens und hat also mit dem Sozialverhalten wenig zu tun. Die zum Jagen nötigen Verhaltensweisen hat der kleine Hund im Spiel erlernt und geübt und bekommt schließlich im Laufe der Reifung die hormonelle Information, worauf und auf wen sie anzuwenden sind. Ist alles passend und artgemäß verlaufen, wird der Hund also genau unterscheiden können, was jagbar ist und wer und was nicht. So ein Hund wird weder Jogger noch Radfahrer beißen.
# Was ist Jagen eigentlich?
Das Jagdverhalten des Hundes besteht aus mehreren Sequenzen.
1. Appetenzverhalten. Das ist die Suche nach dem auslösenden Reiz. Ich nenne das auch gern »Appetitverhalten«, das ist dann quasi selbst erklärend. Es ist im Grunde das diffuse Gefühl, Lust auf etwas zu haben, in der passenden Stimmung zu sein. 2. Orten und Fixieren. Ich weiß zwar nicht, was genau ich gesucht habe, aber – huch! – da ist ein Kaninchen. Es läuft weg. Auf diesen Bewegungsreiz wird im Hundehirn blitzartig ein Hormoncocktail ausgeschüttet. 3. Hetzen und Packen. Der Hund sprintet hinter dem Kaninchen her, Hormone sorgen für Weitstellung der Pupille und vermindertes Schmerzempfinden. 4. Töten. Die zum Töten notwendigen Griffe und Kniffe wurden bereits im Spiel erlernt – wie zum Beispiel der Kehlbiss oder das Beißschütteln. 5. Fressen und Verdauen. Auch das gehört noch zum Jagdverhalten dazu. Sozusagen bis die Beute wieder hinten rauskommt.
# Was ist also schiefgelaufen?
Jetzt kommt der Mensch ins Spiel. Durch Halbwissen, Hundeplatz-Klugscheißerei und halbgute Fernsehsendungen inspiriert glaubt der rezente Hundebesitzer, er müsse seinem Hund rund um die Uhr Entertainment bieten, ihn »auslasten«. Prominente Hundetrainer empfehlen dringend, den in Abwesenheit des Halters aus Langeweile das Sofa zerstörenden Köter derartig krass zu bespaßen, dass dieser anschließend stundenlang zu Tode erschöpft artig im Körbchen schläft und bis zur Rückkehr von Mutti keinen Mist baut. Tatsächlich erreicht man damit meist ganz genau das Gegenteil. Wer derart auf Action trainiert ist, regeneriert schnell und landet dann wieder auf einem hohen Erwartungslevel: »Was jetzt? Mir ist langweilig!«
Wer aber im Gegenteil gelernt hat, die Smartphonepause auszuhalten, an roten Ampeln friedlich auf Grün zu warten, mal Löcher in die Luft zu gucken, der findet auch in der actionlosen Zeit viel leichter zur Ruhe. Ein Bordercollie beim Schäfer etwa, das hat mir Gerd Leder einst erzählt, darf in seinem gesamten ersten Lebensjahr bestenfalls mal zu den Schafen mitgehen, ansonsten kann er in Ruhe erwachsen werden und auszuhalten lernen, dass er nicht dran ist.
Nun haben wir aber einen Hundehalter, der nicht mehr auf sein Bauchgefühl hört, seine Kinder zwar aus Überzeugung zur medienfreien Zeit zwingt, selbst vielleicht wenig Zeit hat und den noch jungen Hund dennoch »auslasten« will, weil der Fernsehonkel das so gesagt hat. Dieser Junghundhalter greift dann gern für zehn Minuten zur Ballschleuder, anstatt eine Stunde spazieren zu gehen. Ist doch alles super: Zeit gespart, der Hund hat sich ausreichend bewegt – und glücklich sieht er auch aus mit seinen großen Pupillen!
# Warum jagen Hunde Jogger und Radfahrer?
Schauen wir auf die Definition von Spiel, wird schnell klar, dass während der Ballschleuder-Nummer NIEMALS die Rollen getauscht werden. Ich habe jedenfalls noch keinen Hund gesehen, der mit der Ballschleuder seinen Menschen einem Ball nachrennen lässt. Und jetzt blicken wir auf Punkt 3 im Jagdverhalten: Hetzen und Packen. DAS ist es, was wir mit der Ballschleuder trainieren! Die blitzschnelle Reaktion auf den Bewegungsreiz und hetzen-packen-hetzen-packen-hetzen-packen. Immer wieder. Wir üben also versehentlich genau das, was wir keinesfalls fördern wollten!
Und wenn dann noch dieses Hetzen-und-Packen-Training in eine Entwicklungszeit fällt, in der das Jagen noch gar nicht dran ist, dann kann das zu einem riesigen, einem tödlichen Problem werden. Das ist das, was die Fachwelt »Vermischung der Antriebe« nennt. Es wird quasi die Reaktion auf den Bewegungsreiz vor das Orten und Fixieren geschaltet. Der 3. vor dem 2. Schritt gemacht. Und dann ist es völlig gleichgültig, was sich da bewegt, es wird verfolgt, WEIL es sich bewegt! Die Information: »Oh, ein Reh! Jagen!« oder »Oh, nur ein laufender Mensch! Nicht jagen!« kommt zu spät oder gar nicht im Hundehirn an. Deshalb musste der kleine Volkan im Jahr 2000 sterben. Das war Jagdverhalten, kein aggressives Verhalten. Auf jenem Hamburger Schulhof wurde der Hund regelmäßig mit einem Fußball bespaßt. Und dann läuft ihm eines Tages dort ein Junge über den Weg. Der Kleine hatte keine Chance.
# Ist mein Hund ballsüchtig?
Dass dieser jagdliche Hormonrausch obendrein auch noch süchtig machen kann, sei abschließend und der Vollständigkeit halber auch noch erwähnt. In meiner aktiven Zeit als Hundetrainerin hatte ich mal einen Rottweiler im Training, der von den Erstbesitzern komplett tennisballsüchtig gemacht worden war. Dieser Hund hat sogar winzige Filzfitzelchen im Gebüsch gefunden, nahm sie auf, trug sie und war nicht mehr ansprechbar, wirkte regelrecht selig und in sich gekehrt. Und weil in seiner neuen Familie keiner mit Tennisbällen warf, lenkte er seine Sucht nach dem Hormonrausch auf andere sich bewegende Dinge um: Blätter, Eicheln, Autos, Busse, Laster. So ein armer Hund. Ich kenne auch einen Bordercollie, der wildfremden Menschen Stöckchen bringt, damit sie ihn entzückt werfen und er seinen Hormonrausch bekommt.
# Ein kleiner Test
Wenn Sie sich jetzt fragen, ob Ihr Hund suchtkrank ist, empfehle ich einen simplen Test. Wenn Sie bei Hundebegegnungen den Ball in die Tasche stecken und Ihr Hund nimmt Kontakt zu seinen Artgenossen auf – alles bestens. Hat er aber keinen Blick für Seinesgleichen, sondern starrt nur auf die Tasche, in der der Ball sich befindet – suchtkrank. Stellen Sie sich vor, sie stehen auf einem Hochhaus und werfen den Ball über den Gebäuderand hinweg. Würde Ihr Hund abstürzen oder genau mitbekommen, wo die Welt zu Ende ist?
# Was tun, wenn Hunde angerannt kommen?
Die schlechteste Idee in zwei von drei Fällen ist es, kehrt zu machen und die Flucht zu ergreifen. Viele Hunde – auch mittelgroße – schaffen häufig locker 20 bis 30 km/h und halten diese Geschwindigkeit vermutlich auch länger durch als wir. Im Video unten sind meine Hunde etwa 45 km/h schnell und kein bisschen angestrengt. Besser also: Anhalten und sich groß machen, einen energischen Schritt auf das Tier zugehen und es anbrüllen. (»Hau ab!« ist kurz und lässt sich überzeugend vortragen.) Hat man ein Rad dabei, kann man es zwischen sich und das Tier stellen, falls man unsicher ist. Großmachen und Rumbrüllen empfiehlt sich allerdings überhaupt nicht, wenn das Tier sein Grundstück verteidigt. In einem solchen Fall lieber den Blick abwenden und sich langsam, aber nicht fluchtartig entfernen. So signalisiert man körpersprachlich: Ich interessiere mich nicht für dich, ich gehe hier nur.
# Ein paar Worte zum Schluss
Die in diesem Artikel besprochene Problematik betrifft nicht alle Hunderassen und deren Mischlinge. Es gibt Hunde, mit denen zu jeder Zeit im Leben bis zum Abwinken mit dem Ball gespielt werden kann. Aber es gibt eben auch genetisch bevorzugte Hunde, beispielsweise Stöberhunde, Terrier oder Rottweiler, manche Hütehunde, die schneller durcheinander kommen. Es kommt immer darauf an, wofür eine bestimmte Rasse gezüchtet, welche Anlagen durch Zuchtauslese gefördert wurden. So reagiert beispielsweise der Labrador gelassener auf einen Bewegungsreiz als ein Jack Russell Terrier. Der Labrador soll das Wild nicht verfolgen, bei ihm wurde in der Zucht Wert auf Nervenstärke, Apportierfreude und Kooperation mit dem Menschen gelegt. Während der kleine Terrier auf blitzschnelles und selbstständiges Handeln angewiesen war, denn er sollte ursprünglich Mäuse und Ratten töten.
Liebe Hundehalter, lasst doch dieses unreflektierte Ballspielen einfach ganz sein. Es gibt so viele andere Dinge, die man mit Hunden machen kann. Die am meisten unterschätzte Beschäftigung ist übrigens der Spaziergang. Ist wenig Zeit, können zehn Minuten Suchspiel ausreichend zur Auslastung sein. Oder rangelt doch mal ohne Geräte mit Euren Hunden! Das geht tatsächlich!
Claudia Stieglmayr
Peanut und Musha zeigen hier bei Weitem nicht alles, was sie an Speed drauf haben. Und trotzdem sind das hier satte 45 km/h Geschwindigkeit, mit der sie auf mich zulaufen.
# Tipps zum Schlaulesen – eine kleine Auswahl
»Das Ausdrucksverhalten beim Hund« von Dorit Feddersen-Petersen ist aus keinem Hundetrainer-Bücherschrank wegzudenken. Allerdings ist das auch Werk auch nicht so leicht verdaulich. Das Gleiche gilt für »Hunde« von Ádám Miklósi, was meine Lektorats-Kollegin und Freundin Elisabeth Hartmann aus dem Englischen übersetzt hat. Zu Marc Bekoffs »Das Gefühlsleben der Hunde« kann ich ehrlicherweise nichts sagen; es gilt mittlerweile als Klassiker und steht leider noch ungelesen bei mir im Regal. Die Anfänge des Schreibprozesses von Michael Grewes»Hoffnung auf Freundschaft« durfte ich vor Jahren begleiten und kann dazu sagen: Prima zu lesen und gut verständlich auch für Anfänger. Und Normen Mrozinski sollte man eigentlich lieber live erleben, wenn das nicht geht, geht auch sein Buch »So geht Hund!«
Lange vier Monate habe ich mich auf diesen Ausblick hier gefreut. Im Juni hatte ich gebucht. Für Oktober. In die Suchmaske eingegeben hatte ich nur: 1. Kanarische Inseln und 2. Meerblick. Das Ergebnis: Ferien im Fünf-Sterne-Hotel. Die restliche Familie war zunächst überhaupt nicht gefragt worden. Ich hatte im Alleingang beschlossen, dass so viel Kummer hinter uns und so viel Arbeit vor uns liegt, dass Verreisen in den Sommerferien nicht in Frage kommen würde. Im Anschluss an die Schufterei würden wir aber dennoch Erholung dringend nötig und auch verdammt verdient haben. Zum Glück hat uns die Tourismuspleite verschont, der Reisegott war uns gnädig. Auf den drei Bildern oben warte ich gerade auf »meinem« Terrassen-Sofa darauf, dass die Sonne um die Kurve kommt.
# PREMIUM SUITE »SEA VIEW«
Das ist das kleinere Schlafzimmer mit Meerblick, das hat das Pubertier sich geschnappt…
Küche und Wohnzimmer
Aaaaach – während ich das hier schreibe, sitze ich in diesem Luxusschuppen, auf der riesigen Terrasse mit Meerblick und Jacuzzi, was moderndeutsch für Whirlpool ist – oder so. Wir haben ein enorm großes Apartment mit drei Schlafzimmern, eine »Three Bedroom Premium Suite – Sea View« – die Schlafzimmer selbstverständlich jeweils mit Bad ensuite. 220 Quadratmeter. Ich höre im Geiste gerade Samantha zu Charlotte in Sex and the City, der Film sagen: »This is a five star resort!« Willkommen in der Welt der Reichen und Schönen.
In den 80ern war »The Bold and the Beautiful« übrigens meine Lieblingsserie – Sneaken bei den Reichen, unter dem Vorwand, mein Englisch fürs Abi fit zu machen. »Reich und Schön« hieß sie dann später im deutschen Fernsehen. Und ich mag auch diese Makler-Soap auf Vox. Besonders gern dann, wenn man dort Luxus-Apartments an Mann, Frau oder Divers bringen will.
Neugierig auf diesen Lifestyle war ich also schon immer irgendwie; nie neidisch, einfach nur neugierig. Man muss auch gönnen können, und das kann ich. Sonst hätte ich mich ja längst um einen anderen Job bemüht und wäre nicht bei bescheidenem Salär in einem mittelständischen Verlag geblieben. Tatsächlich muss ich aber heute gestehen: Um öfter DIESEN Ausblick und DIESES Meeresrauschen zu haben, wäre ich bereit, richtig hart und viel zu arbeiten. Ferien im Fünf-Sterne-Hotel sind schon etwas ganz Besonderes. Diese Erkenntnis kommt wohl reichlich spät, zu tief verwurzelt bin ich mittlerweile in der unteren Mittelklasse.
# GUCCI, CHANEL und CO. – Ferien im Fünf-Sterne-Hotel
Kreischige Neureiche wie die Geißens (sehe ich im TV auch gern; ich bin der lebende Beweis dafür, dass Goethe und Geiß kombinierbar sind) habe ich hier zum Glück noch nicht ausmachen können, im Radisson Blu Resort auf Gran Canaria gibt man sich norddeutsch tiefstapelnd, die Viereinhalbtausend-Euro-Chanel wird lässig-unaufgeregt zum Dinner ausgeführt. Und irgendwie glaub ich auch nicht, dass diese Tasche ein Fake war. Den Originalpreis musste ich recherchieren, ich hatte mich – trotz Shopping-Queen-Bildung – um zweitausend Euro verschätzt. Na ja, kann mal passieren. Ich gehöre ja auch nicht dazu, zu diesem Club.
Salud! Und eine Tapas-Platte war auch noch dabei.
Ich will hier doch nur meine geschundene Seele mit Meeresrauschen und Ruhe heilen. Und mit ein bisschen Alkohol vielleicht, hier gibt es nämlich schon zum Frühstück einen hervorragenden Cava. Den gleichen übrigens, der uns im metallenen Sektkühler – stilecht mit Eiswürfeln – in der Suite begrüßt hat.
Das Teenager-Töchterlein hat sich problemlos chamäleonesk an den Luxus angepasst und von uns ein Kleid von Kenzo shoppen lassen. Mitgekommen ist das Pubertier selbstverständlich nicht, das macht es praktisch nie. Es bleibt in seinem Miniapartment, das Meer durch geschlossene Vorhänge vor seinem bösen Blick abgesichert, und lässt sich per SMS von Papa Bilder der vorgeschlagenen Kleidungsstücke schicken, die es dann mit 👍🏻 oder 👎🏻 kommentiert. Nun, das Kleid des Pariser Designers fand immerhin des Tierchens Gnade.
Ich habe sogar drei Kleider und einen Rock geshoppt, aber nicht in der Edelboutique, sondern im Laden um die Ecke für kleines Geld. Guter Geschmack hat eben nicht immer was mit dem Preis zu tun. Außer beim Essen vielleicht.
# SOZIALSTUDIEN AM BÜFFET
Sehr interessant ist es hier für mich selbstverständlich auch zu den Speisezeiten. Ich liebe es, private Sozialstudien zu betreiben. Was mir in diesem Resort sofort auffällt: Menschen, die Ferien im Fünf-Sterne-Hotel machen, stürzen sich nicht Schlag sieben ans Büffet – vor lauter Angst, dass er oder sie kurz kommen könnte. In dieser Preisklasse ist es nämlich so, dass immer nachgelegt wird, hier bleiben keine Wünsche offen, hier verlässt niemand frustriert und hungrig die Meerblick-Speise-Terrasse, weil vom Vitello Tonnato nichts mehr übrig war. Dort wechselt täglich zum Dinner das Unterhaltungsprogramm von guter Qualität, was sich »Soft-Animation« nennt. Unter anderem werden hier leiser Gesang, Querflöte und Flamenco präsentiert.
# Fünf-Sterne-Service
Am zweiten Tag kennt man im Restaurant deine Zimmernummer und weiß direkt, dass der Filius Cola bestellen wird. Der Chef-Camarero wirkt wie ein Dirigent. Er empfängt gut gelaunt die Gäste, geleitet sie galant zu Tisch, schickt mit minimalem Kopfnicken seine Kellner los, wenn ein Teller abgegessen ist, damit der Platz wieder frei ist, wenn der Gast mit dem zweiten oder dritten Gang vom Büffet zurückkehrt.
In diesem Hotel wissen sich die meisten Gäste zu benehmen (na ja, bis auf die Chinesen vielleicht), keiner starrt unverschämt Leute an, Gespräche werden in angemessener Lautstärke geführt. Die Tische sind ansprechend arrangiert, sogar ich fühle mich wohl und privat.
# Die alte MORLA
Da fällt mir doch gleich diese riesige ältere Frau mit mächtigem Körperumfang und wogendem Busen auf. Sie wälzt sich langsam, aber gleichmäßig wie eine Riesenschildkröte über die Speiseterrasse (auch mit Meerblick, natürlich) und bewegt sich mit ruhigem, unerschütterlich zielgerichtetem Blick fast schon erhaben zum Büffet. Dort häuft sie sich mit starrer Miene Berge von köstlichen Speisen auf den Teller und gleitet dann im selben behäbigen Tempo wie zuvor zurück an ihren Tisch. Dort sitzen noch drei andere Herrschaften und waren schon satt, als die alte Morla zum dritten oder vierten Gang aufgebrochen war. Wieder am Tisch, schaufelt Morla sich ebenfalls langsam, aber stetig ihre Beute in den Mund. Kaut, schaufelt, kaut, schaufelt. Sie spricht dabei nicht, sie lächelt nie, wirkt aber auch nicht verbiestert. Essen als Lebenssinn. Ich wette, die Morla macht öfter Ferien im Fünf-Sterne-Hotel. Wenn ich alt bin, stelle ich mir das genau so vor.
# FIT FOR FUN – Sport ist im 5-Sterne-Hotel auch nicht weniger anstrengend
Bevor es so weit ist, mache ich aber doch lieber noch ein bisschen Sport. Hier gibt es ein kleines, schickes Fitnessstudio, das probieren MacGyver und ich gleich mal aus. Der Mann schwingt sich aufs stationäre Rennrad, weil er für den vierten Tag eine Mountainbike-Tour gebucht hat und trainieren will. Und ich renne zum Warmwerden eine halbe Stunde auf dem Laufband, um anschließend die Geräte zu testen. Handtücher und Wasser gibt es für Sportler gratis.
Wir haben das Studio für uns allein, bis eine Frau zu uns stößt und sich auf dem Stepper abrackert. Plötzlich sagt sie: »Eigentlich schade, dass man das Meer von hier aus nicht sieht.« Dann lacht sie und meint: »Das ist Jammern auf ganz schön hohem Niveau, oder?« Ich lache mit und stimme ihr zu. In diesem Hotel hat man nämlich von absolut jedem Zimmer aus Meerblick. Ferien im Fünf-Sterne-Hotel eben.
# WEDDING PLANNER am Radisson-Pool
Gleich am ersten Morgen nach unserer Ankunft komme ich mir vor wie an einem Filmset. Auf einem Schild »The perfect Wedding« werden die Hotelgäste quasi zu einer dort stattfindenden Hochzeit zwangseingeladen.
Rund um ein kleines Podium direkt am Pool neben der Bar wuseln etliche ordentlich frisierte junge Damen in schwarzen Etuikleidern und Ohrstöpseln mit Funk herum. Die erste der schwarzen Grazien positioniert sich am gläsernen Fahrstuhl, um den Hochzeitsgästen die richtige Richtung zu weisen, die zweite nimmt sie am mit Rosenblättern gesäumten Marmorweg in Empfang. Nummer drei und vier kann ich vom Pool aus leider nicht mehr sehen – wie unwirklich, faul im Salzwasserbassin am Rand zu dümpeln und gleichzeitig ein schick gekleidetes Gästepaar nach dem anderen her- und vorbeiflanieren zu sehen.
Auch der Hochzeitszeremonie kann man sich nicht so recht entziehen, selbst wenn man es wollte. Denn selbstverständlich ist auch ein ziemlich guter Operntenor angeheuert worden, der rührende Balladen und herzergreifende Arien schmettert und die gesamte Hotelanlage beschallt.
# SHOPPING BY BOAT
Im Süden Gran Canarias gibt es einen Fähr-Linienverkehr, mit dem es sich bequem und gar nicht so teuer im Stundentakt zwischen Playa del Inglés und Mogán pendeln lässt. Die modernen Glasboden-Schiffe tuckern in gemütlichem Tempo an der Küste entlang, sodass man in Ruhe erstaunte oder schockierte Blicke auf das werfen kann, was Architekten hier so verbrochen haben. Tatsächlich klebt hier am Felshang auch die eine oder andere ärmliche Hütte aus Treibholz und Stofffetzen.
Malerisches Mogán
Ein Besuch von Mogán lohnt sich. Dieses Dorf wird auch das »Venedig Gran Canarias« genannt, weil hier zwei oder drei Brücken mitten im Dorf sind. Puerto Rico haben wir ausgelassen, da reichte uns der Anblick von Bord aus. In Anfi geht man nur an Land, wenn man teuer shoppen möchte, Arguineguín ist ein ziemlich scheußliches Nest mit Betonfabrik, abgerockten Gebäuden und grässlichen Läden. Ein ausgestorbenes Shopping-Center haben wir auch entdeckt. Gespenstisch leere Läden, nur ein Supermarkt im Keller hält sich dort noch. In Playa del Inglés findet man genau das, was man sich klischeehaft so vorstellt: alle möglichen Shops, reichlich Restaurants und Bars. Tagsüber hat man hier beschauliches Treiben, abends treiben besoffene Engländer und Deutsche ihr Unwesen.
# MacGyver – Dein Einsatz!
Einer rothaarigen Engländerin ist eventuell der Alkoholkonsum oder die knallende Sonne oder beides zum Verhängnis geworden. Ganz bestimmt aber mangelndes Körpergefühl. Sie sitzt direkt vor uns auf der Fähre, fasst sich immer mal wieder an die Stirn, sie scheint Kopfschmerzen zu haben. Das registriere ich so nebenbei, betrachte nachdenklich ihren sommersprossigen nackten Rücken und denke noch: Warum setzt die sich denn nicht in den Schatten? Da sackt die junge Frau auch schon ohnmächtig nach hinten, ihr Begleiter ruft laut »HELP!« – gerade in dem Moment, als der Kapitän launig etwas von »Fischefüttern« und »Freiwillige vor« von sich gibt.
MacGyver stützt die Frau geistesgegenwärtig von hinten. Er schnappt sich die im Hafen von Mogán gekaufte Wasserflasche und drückt sie dem herbeieilenden Kapitän in die Hand. So konnte die von der Sonne gestochene Britin schnell von außen und innen gekühlt und wieder zu Bewusstsein gebracht werden. Den Rest der Fahrt verbringt sie im Schatten und wird im nächsten Hafen von der Ambulanz abgeholt. So etwas passiert hier immer wieder, und man ist bei allem Mitleid doch geneigt zu sagen: Selbst schuld.
# WASSERSPORT an der Südküste
Im Hafen von Anfi und Puerto Rico präsentiert sich ein fast unüberschaubares Angebot an Wassersport-Aktivitäten. Klassisches Bananaboat-Reiten und Tretbootfahren sind hier möglich, aber auch Surfen, Wasserski, Jet-Ski, Parasailing oder die Trendsportart Stand-up-Paddling.
Außerdem gleiten hier im Atlantik die größten Katamarane, die ich je gesehen habe, über das Meer. Und selbstverständlich kann man sich Yachten für Privatausflüge mieten, wenn man gerade genügend Kleingeld in der Tasche oder auf dem Konto hat. Ich habe aber auch tatsächlich Menschen gesehen, die einfach so ins Meer gegangen sind, um zu schwimmen. Verrückt. 😜
Verrücktheiten zum Thema Strandsport kann ich hier morgens von »meiner« Terrasse aus reichlich beobachten. Haufenweise Jogger touren vorbei, einer davon ist bestimmt über 80 Jahre alt, den Blick durch fortschreitenden Morbus Bechterew zwangsweise auf den Boden geheftet. Am lustigsten finde ich diesen halbsportlichen Blonden in riesigen rosa Bermudas und stylishem Bun, der im Stechschritt über den Strand walkt, an den Klippen kehrt macht und in die andere Richtung düst. Wieder und wieder. Ob das jetzt hektisches Braunwerden sein soll oder seine Smartwatch das drohende Verfehlen des täglichen Schrittzieles gemeldet hat, kann ich natürlich nicht sagen.
# FREE MOTION – oder MTB für völlig Verrückte
Mein MacGyver in Aktion
MacGyver hat schon ziemlich schnell den perfekten Veranstalter für geführte Mountainbike-Touren ausgemacht. Ich hatte ihn eigentlich begleiten wollen, aber meine anfängliche Motivation legt sich blitzartig, als ich sehe, dass die »Einsteiger«-Tour für Menschen mit mindestens 1000 Radkilometern pro Jahr ausgelegt ist. Und etwa 1000 Höhenmeter müssen überwunden werden.
Ja, okay, ich komme aus Norddeutschland, Höhenmeter überwinde ich beim Joggen auf dem Elbhang nur 80 und finde das schon echt toll. Ja, ich fahre zwar oft mit dem Rad, aber dann sind es immer nur weniger als zehn Kilometer – pro Tag, nicht pro Tour. Na gut, ehrlicherweise: Es sind allermeistens weniger als vier Kilometer. Ich räuspere mich also und murmele, ich sei – äh – wohl raus.
Ich bin jedenfalls froh, dass MacGyver heil wieder zurückgekommen ist. Ein Taxifahrer hat mir nämlich erzählt, dass die Motorradfahrer in den Bergen völlig verrückt seien und sich auch unter den Autofahrer etliche Idioten befänden (manche davon werden Taxifahrer, möchte ich anfügen). Die Tour (und auch die zweite, an der der Mann teilgenommen hat) ist aber zum Glück äußerst professionell und kompetent vom Team von Free Motion durchgeführt worden.
# Jacuzzi für Fortgeschrittene
Das mit dem Whirlpool habe ich übrigens am vierten Tag entnervt aufgegeben. Ich möchte ja kein Wasser, aber auch keine Zeit verschwenden, es dauert ziemlich lange, bis so eine Wanne ausreichend gefüllt ist. So bin ich also so pfiffig, das Bassin halb voll laufen zu lassen, damit später – wenn Einstiegsbedarf wäre – der Pool schnell gefüllt ist. Die Idee ist zumindest großartig gewesen.
Anscheinend ist aber bedauerlicherweise das Housekeeping-Personal angewiesen, regelmäßig den Stöpsel zu ziehen. Beim ersten Mal liege ich gerade im Vorgarten und sonne mich, als ich glucksende Geräusche vernehme und noch dazuspringen kann, um den Stöpsel wieder reinzustöpseln. Da ist der Pool aber schon halbleer. Grummelnd lasse ich das Jacuzzi wieder volllaufen.
Am nächsten Tag bin ich leider einen Moment nicht im Apartment – schwupps, sind die guten Geister vom Room-Service dagewesen und haben erneut den Stöpsel gezogen.
Beim dritten Versuch sind MacGyver und ich gerade auf Bootstour, als uns eine SMS unseres Sohnes erreicht: Soll der Whirlpool leer gemacht werden? Mein NEIN! erreicht ihn leider viel zu spät.
Was soll ich sagen? Wir haben es aufgegeben. Blubberwasser wird sowieso überbewertet. Irgendwas ist ja immer.
Es ist Herbst geworden in meinem Garten. Und dennoch blüht es dort wie verrückt, Bienen und Hummeln haben hier noch allerlei für ihren Wintervorrat zu sammeln. Vor allem die Fetthenne – botanischer Name: Sedum – hat es ihnen angetan. Das ist eigentlich eine recht unspektakuläre Pflanze, ich habe sie in einem Baumarkt erstanden, weil sie von vielen kleinen Hummeln bevölkert wurde. Diese Staude ist pflegeleicht und erfreut mich jedes Jahr aufs Neue mit ihren vielen kleinen Blüten.
# Rosenjahr 2019
Dieses Jahr war ein absolutes Rosenjahr, meine Lieblingsrose hat sogar viermal geblüht (Foto unten, Mitte). Anscheinend habe ich ihr zur rechten Zeit die richtige Menge Dünger gegeben. Außerdem habe ich brav jede verblühte Blüte abgeschnitten, sodass die Pflanze die Kraft in neue Triebe anstatt in Hagebutten gegeben hat. Die Bilder unten links und rechts zeigen meine Harlekinrose, die ich vor zwei Jahren eigentlich schon entsorgen wollte, weil sie so vor sich hin mickerte, aber an einem anderen Standort hat sie ihre Chance genutzt. Die übrigen Rosen waren jetzt – Mitte September – leider schon verblüht.
# Modeblume Dipladenie
Die Dipladenie oder Mandelvilla hat sich in den vergangenen Jahren zur Modepflanze entwickelt. Es macht aber auch wirklich Spaß, ihr beim Ranken zu helfen und sich an der Farbvielfalt der Blüten zu erfreuen. Ich habe in diesem Sommer drei verschiedene Farben im Garten und auf der Terrasse gehabt: weiß, rosa und rot.
# Wunderschöne Dahlien
In 2019 neu in meinem Garten sind die Dahlien. Ich hatte früher immer eine undefinierbare Abneigung gegen diese Herbstblüher, vielleicht lag das daran, dass meine Oma und meine Mutter immer so ein Gewese darum gemacht haben, wann die dolle Knolle im Herbst aus der Erde muss und wie sie zu überwintern ist.
Dahlien gibt es in wunderschönen Farbvarianten
# Löwenmaul, Susanne, Wandelröschen & Co.
Und was blüht hier sonst noch so? Da sind natürlich die Löwenmäulchen, die ich so sehr liebe und die in keinem Jahr als Kübelpflanze fehlen dürfen. Säen sie sich selbst aus, dann dürfen sie auch zwischen Gewegplatten wohnen, kein Löwenmäulchen wird von mir je herausgerissen werden. Und jedes Jahr rankt bei mir auch die Schwarzäugige Susanne irgendwo entlang. Das Wandelröschen ist ein bunter Beetgeselle, der majestätische und empfindliche Hibiskus hat in diesem Jahr auch endlich mal geblüht. Löwenzahn (ohne Foto) findet man in meinem Rasen, und überall siedelt sich die Campanula, die Karpatenglockenblume, an. Ewigkeiten wohnt hier schon Topinambur und blüht so schön sonnig gelb im Herbstlicht. Zart und geflammt sind dieses Jahr die Neulinge bei mir, die kleinen Nelken. Und selbst gesät hat sich ein Hornveilchen, das ich beim Rasenmähen stets verschone. Natürlich dürfen auch die berühmte Schattenblüher bei mir nicht fehlen: die Hortensien.
# Salbei, Flieder, Oleander…
Last, but not least: Weil ich zufällig las, dass man den Sommersalbei nach der ersten Blüte zurückschneiden kann, damit er zum zweiten Mal blüht, tut er mir tatsächlich diesen Gefallen. Sehr erfreut. Mein Sommerflieder ist unglücklich im Topf, der muss einen neuen Platz im Garten finden. Mein Oleander blüht auch noch immer, die Erdbeeren haben heimlich geblüht und tragen jetzt noch Früchte. Auch neu in 2019 ist bei mir die Cosmea, die sehr anspruchslos ist und mir große Freude macht. Zu guter Letzt können wir jetzt noch die letzten Himbeeren naschen, bevor die Hunde sie ernten.
Neulich kam ich gerade mit meinen Hunden aus dem Wald, da sah ich an der Bushaltestelle in unserer Straße einen älteren Herren stehen. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, aber ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass der Mann den Bus wohl verpasst haben musste. Hier fährt nur einmal in der Stunde einer. Na ja, geht mich ja auch nichts an.
Als ich mich näherte, entfernte sich der Mann ein paar Schritte von der Haltestelle, blieb dann wieder stehen, drehte sich unsicher zu uns um, ging wieder ein paar Schritte und blieb dann stehen.
Irgendetwas in seinem Verhalten fand ich anrührend, und es brachte mich dazu, ihn freundlich anzusprechen: »Der Bus wird wohl schon weg sein, der fährt hier immer um fünf vor.« – »Ach«, sagte der Herr, »ich war eigentlich rechtzeitig da, aber es ist kein Bus gekommen. Ich habe hier oft Pech.«
Da fiel mir ein, dass tatsächlich einmal am Vormittag und einmal am Nachmittag ein Bus ausfällt. Das sagte ich ihm auch. Da schmunzelte der alte Herr und sagte: »Das ist dann wohl immer dann gewesen, wenn ich hier meinen Freund im Altenheim besucht hatte.« Ich fragte ihn, wohin er denn wollte, und er antwortete, er müsste dann zum ZOB. Ich präzisierte: »Nein, ich meine, wo wohnen Sie denn?« Er lachte amüsiert und sagte: »In der Oberstadt.«
Ich weiß nicht, warum, aber in diesem Moment hatte ich das tiefe Bedürfnis, ihn nach Hause zu fahren. Dieser alte Mann war mir überaus sympathisch, vielleicht erinnerte er mich an meinen verstorbenen Vater, ich weiß es nicht. Ein warmes Gefühl im Bauch war das. Fast liebevoll.
Also sagte ich: »Darf ich Sie eben schnell nach Hause fahren?« Er winkte ab: »Das kann ich doch fast nicht annehmen, das ist ja nett.« Ich: »Das können Sie fast nicht ablehnen! Bis da vorn dürfen Sie noch überlegen, da wohne ich, und da steht mein Auto.«
Er druckste noch ein wenig herum, aber allein der Weg zum ZOB ist mehr als einen Kilometer lang, vielleicht brachte ihn diese Überlegung dazu, mein Angebot schließlich anzunehmen. »Ich hole nur eben den Schlüssel, bringe die Hunde rein und sage meinen Kindern Bescheid.«
Im Auto setzten wir unsere Unterhaltung fort. Er erwähnte ganz uneitel, dass er schon neunzig Jahre alt wäre, was ich gar nicht glauben konnte, denn ich hatte ihn auf höchstens Ende siebzig geschätzt. Ich fragte ihn nach dem Namen des besuchten Freundes, und er nannte einen seltsamen Spitznamen und einen normalen Nachnamen. Köster*. »Ich kenne einen Köster mit ähnlich seltsamem Spitznamen. Der wurde Püschel genannt.« – »Das ist sein Bruder, der ist aber schon lange tot.« Das wusste ich, der hatte ja bei uns in der Straße gewohnt.
»Wohin genau müssen wir fahren?«, fragte ich. Er nannte einen Straßennamen. Ich murmelte: »Das kenne ich, da wohnten meine ersten Schwiegereltern.« – »Wer denn? – Ach, Habermehls? Die Mutter wohnte fast direkt neben uns.« Wie klein die Welt ist. »Und wie ist denn eigentlich Ihr Name?«, fragte ich den Herren mit den lachenden, vor Schalk blitzenden Augen. »Tigrens«, sagte er. Ich: »Ich kannte einen Michael Tigrens, der war mal ein Jahr in meiner Klasse. In der 7. war das, und ich war schrecklich verliebt in ihn.« – »Das ist mein Sohn.« Und die Enkelin von Herrn Tigrens ist in der Klasse meiner Tochter. Na klar.
Die Welt ist so klein, die Fahrt war so kurz. Aber mein Herz war ganz erfüllt von dieser netten Begegnung. So ist es, wenn man in einer Kleinstadt geboren, aufgewachsen und verwurzelt ist: Man trifft Menschen, die man nicht kennt, aber irgendwelche Schnittpunkte gibt es eben fast immer.